Sonntag, 24. März 2019

Durch das Dunkel hindurch scheint der Himmel hell



Gottesdienst im Roßdorf
24. März 2019 (Oculi)
Predigttext: Jeremia 20, 7-13

#Jeremia

Mein Name ist Jeremia.
Ich komme aus Anatot in der Nähe von Jerusalem.
Ich spreche, weil Gott es zu mir gesagt hat.
Gott ist nicht egal, was sein Volk tut.
Es ist ihm nicht egal, dass sich Menschen ihre Zukunft verbauen.
Und er will, dass die Leute das wissen.
Ich dachte, dass ich viel zu jung bin.
Und dass keiner auf mich hören wird.
Wer nimmt denn einen Jugendlichen mit Pickelgesicht schon ernst?
Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.

Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.
Ich will mein Gericht über sie ergehen lassen um all ihrer Bosheit willen, dass sie mich verlassen und andern Göttern opfern und ihrer Hände Werk anbeten.



#Greta

"Mein Name ist Greta Thunberg. Ich bin 15 Jahre alt und komme aus Schweden. Ich spreche im Namen der Initiative 'Climate Justice Now'. Viele Menschen sagen, dass Schweden nur ein kleines Land ist und dass es egal ist, was wir tun. Aber ich habe gelernt, dass man nie zu klein dafür ist, um einen Unterschied zu machen. Wenn ein paar Kinder auf der ganzen Welt Schlagzeilen machen können, indem sie einfach nicht zur Schule gehen, dann stellt euch vor, was wir gemeinsam erreichen könnten, wenn wir es wirklich wollen würden.

Aber um das zu tun, müssen wir klar sprechen. Ganz egal, wie unangenehm das sein mag. Ihr sprecht nur von grünem, ewigem Wirtschaftswachstum, weil ihr zu viel Angst habt, euch unbeliebt zu machen. (…) Ihr seid nicht einmal erwachsen genug, die Wahrheit zu sagen. Sogar diese Bürde überlasst ihr uns Kindern.

Aber mir ist es egal, ob ich beliebt bin. Ich will Gerechtigkeit in der Klimafrage und einen Planeten, auf dem wir leben können.

#Berufung

Berufung.
Ein großes Wort.
Nicht nur Beruf. Job. Alltag.
Nicht ein Lehrberuf.
Nichts, worin man einen Master machen könnte.
Berufung ist mehr.
Berufung ist, wenn es keine Option gibt.
Wenn man tut, was getan werden muss.
Wenn man keine Wahl hat
und es nur noch um das eine Ziel geht.
Wer berufen ist
(oder sich dafür hält)
kennt keine Grenzen.
Verleugnet Grenzen.
Ignoriert Grenzen.
Sprengt Grenzen.
Rennt gegen Grenzen
und rappelt sich wieder auf.
Und macht weiter.
Wer berufen ist
(oder sich dafür hält)
verstößt gegen gute Sitte
und Schulgesetz.
Gegen gesellschaftliche Trends und
wirtschaftliche Interessen.


#Aufgabe

Berufung.
Ein großes Wort,
UND eine große Aufgabe.
Tun, wovon ich selbst überzeugt bin
UND öffentlich werden.
Alltägliches tun,
und dabei einen Unterschied machen.
Sich in der Komfortzone sicher fühlen,
und doch heraustreten aus der Masse.
Das Gespräch suchen,
und den Konflikt nicht scheuen.
Den Finger in die Wunde legen,
aber auch wissen, wie Heilung geht.
An heute und morgen denken,
und an die Zukunft derer,
die noch geboren werden.
Für sich selbst leben,
und für andere.
Für Menschen.
Für Gott.

Für eine bessere Welt.




#Leidenschaft

Berufung.
Nicht nur ein großes Wort.
Nicht nur eine große Aufgabe.
Berufung ist Leidenschaft.
Motivation bis in die äußersten Haarspitzen.
Sein eigenes Potential entdecken
und Stärken ausleben.
Bestätigung bekommen.
Wahlkämpfe gewinnen.
Gefeiert werden.
Anderen helfen können und
Dankbarkeit erfahren.
Berufung ist auch: Spaß haben.
Und einen Sinn im Leben sehen.




#Selbstaufgabe

Berufung.
Nicht nur ein großes Wort.
Nicht nur eine große Aufgabe.
Berufung ist Selbstaufgabe.
Zurückstecken.
Zeit investieren.
Geld in die Hand nehmen.
Sich mühsam Gehör verschaffen und
in der Öffentlichkeit leben.
Eigene Interessen zurückstellen und
keinen Feierabend haben.

Ist „die Haut zum Markt tragen“.
Sich verletzlich machen.
Auch den Wahlkampf verlieren.
Drohungen und Hass am eigenen Leib erfahren.
Aushalten, dass Menschen die Straßenseite wechseln und sich wegdrehen.


#Wechselbad

Berufung ist beides:
Licht und Schatten
Lust und Frust
Segen und Fluch
Stärke und Schwäche
Sinn und Unsinn
Wunder und Wahnsinn
Motivation und Depression
Kraftquelle und Erschöpfung
Verehrung und Verleumdung


#Depression

Wechselbad.

So wie bei Jeremia:
HERR, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich, und jedermann verlacht mich.

8 Denn sooft ich rede, muss ich schreien; »Frevel und Gewalt!« muss ich rufen. Denn des HERRN Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich.

9 Da dachte ich: Ich will seiner nicht mehr gedenken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, verschlossen in meinen Gebeinen. Ich mühte mich, es zu ertragen, aber konnte es nicht.

10 Denn ich höre, wie viele heimlich reden: »Schrecken ist um und um!« »Verklagt ihn!« »Wir wollen ihn verklagen!« Alle meine Freunde und Gesellen lauern, ob ich nicht falle: »Vielleicht lässt er sich überlisten, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen.« 


#Verleumdung

Wechselbad.
So wie bei Greta.
Ich zitiere die Salonkolumnisten und die AfD Heidelberg:

Greta ist „…offenbar ein von großer Angst geleiteter junger Mensch. … Dieses Mädchen braucht keinen Applaus, es braucht Hilfe.“ (Die Salonkolumnisten)
„Die #Klimareligion hat nun neben Priestern und Jüngern auch eine minderjährige Heilige, zu der die ganze Kirchengemeinde ehrfurchtsvoll aufschaut“ (AfD Heidelberg via Twitter)



#WasistmeineMission?


Ich bin nicht Jeremia.
Ich bin nicht Greta.
Was ist meine Mission?

Will ich berufen sein?

Wenn Schmerz und Niederlagen,
böse Worte, Häme und
letztendlich
Depression,
vorprogrammiert sind?

Danke, ich verzichte.  


Doch was wäre diese Welt
ohne Jeremia und Greta
und ihre Botschaft?
Was wäre die Welt, ohne diese Menschen,
die ein Ziel vor Augen haben
und die sich um alles in der Welt
nicht davon abbringen lassen
an einer besseren Welt zu bauen?
Was wäre,
wenn niemand daran erinnert,
dass Gott etwas an uns Menschen liegt?
Was wäre, wenn niemand ausspricht,
was längst gesagt werden müsste,
weil unsere Welt kaputt geht?



#DurchdasDunkelhindurch

Nocheinmal Jeremia:

11 Aber der HERR ist bei mir wie ein starker Held, darum werden meine Verfolger fallen und nicht gewinnen. Sie müssen ganz zuschanden werden, weil es ihnen nicht gelingt. Ewig wird ihre Schande sein und nie vergessen werden. (…)  13 Singet dem HERRN, rühmet den HERRN, der des Armen Leben aus den Händen der Boshaften errettet!

Nocheinmal Greta:

„Leute verbreiten Gerüchte über mich. Natürlich stört mich das ein bisschen, aber es zeigt auch, dass etwas passiert und Leute das als Bedrohung empfinden. Und das ist gut.“



Jeremia und Greta
Greta und Jeremia
Zwei mit einer Botschaft.
Zwei, die gehört werden.
Zwei, die nach vorne schauen.
Der eine vor vielen hundert Jahren,
die andere heute.
Durch das Dunkel hindurch
sehen sie ihren Erfolg.
Sehen, dass sich Investition auszahlt.
Durch das Dunkel hindurch
sehen sie, dass Veränderung möglich ist
und lassen deshalb nicht ab
von ihrem inneren Auftrag.




#UnsereMission

Wir sind nicht Jeremia
und wir sind nicht Greta.
Wir sind Erika und Beate
und Rolf und Alexander
und Yvonne und Stefan und Bärbel.
Aber wir sind berufen.
Zu großen und zu kleinen Dingen.
Wir sind berufen,
diese Welt, dieses Roßdorf
ein Stückchen besser zu verlassen,
als wir es vorgefunden haben.

Wir sind berufen,
manches auszuhalten.
Auch den Schmerz,
nicht gehört zu werden
und abgehängt zu sein.

Wir sind berufen,
Dinge anzusprechen,
die uns stören
und zu korrigieren,
wo Falsches behauptet wird.

Wir sind berufen,
uns Herausforderungen zu stellen:
im Zusammenleben
mit langjährigen Nachbarinnen und Nachbarn,
aber auch mit denen, die neu sind.

Wir sind berufen, nicht immer
den einfachsten Weg zu nehmen,
sondern nach Lösungen zu suchen,
die nicht gleich auf der Hand liegen.

Wir sind berufen,
nicht aufzugeben,
sondern zu verhandeln,
zu kommunizieren,
uns zu beteiligen.

Wir sind berufen,
Freundin und Freund zu sein
zu dem einen Gott,
dem Schöpfer des Himmels
und der Erde;
der keinen Konfession hat.

Wir sind berufen,
durch manches Dunkel hindurch
festzuhalten
am Licht
und am Leben
und an der Liebe.

Amen.




Lied:
Durch das Dunkel hindurch scheint der Himmel hell.
Durch das Dunkel hindurch scheint der Himmel hell.
so hell soll auch die Erde sein,
steht auf, steht auf, steht auf,
so hell soll auch die Erde sein, steht auf!

Durch das Dunkel hindurch dringt ein neues Wort.
Durch das Dunkel hindurch dringt ein neues Wort.
Das Wort wird uns zur Zuversicht,
steht auf, steht auf, steht auf,
das Wort wird uns zur Zuversicht, steht auf!

Durch das Dunkel hindurch führt ein neuer Weg.
Durch das Dunkel hindurch führt ein neuer Weg.
Der Weg wird unsre Zukunft sein,
steht auf, steht auf, steht auf,
der Weg wird unsere Zukunft sein, steht auf!


(Text: Jürgen Netz, Melodie Christof Lehmann)

Dienstag, 25. Dezember 2018

Weihnachten - kannste knicken!

Gottesdienst an Heilig Abend 2018
in der Eusebiuskirche Wendlingen am Neckar


Es ist dunkel. In der Welt.
Nicht nur nachts.
Manchmal ist es auch tagsüber dunkel.
Da wo Krieg ist.
Und Streit.
Und Hass.
Wo Menschen traurig sind, einsam oder krank.
Sich einander nicht zuhören.
Und einander nicht mehr liebhaben.

Kannste knicken, dieses Leben.
Nicht nur an Weihnachten.

Mit grün die Wiese stecken.

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

Er kann das befehlen.
Einem Kaiser wie Augustus gehorchen alle. Ausnahmslos.
Das wird für einige ganz schön schwierig werden.
Es wohnen ja nicht alle da, wo sie geboren sind.
Jemandem so gehorchen zu müssen, ist nicht schön.
Ich fühle mich klein und machtlos, wenn mir jemand etwas befiehlt. Denkt sich Josef. Eigentlich hatte er ja andere Pläne, aber die kann er wohl knicken.

Mit Rot Josef stecken / Kopf Gelb

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe...

Josef ist Zimmermann. Er hat nicht besonders viel Geld.
Er tut, was der Kaiser befiehlt.
Aber dann kann er nicht arbeiten.
Kein Geld verdienen.
Die Familie ernähren?
Kannste knicken. Dieses Projekt dauert.
157 km sind es von Nazareth bis Bethlehem.
Zu Fuß.
Allein wäre das ja schon schlimm genug.
Aber Josef geht nicht alleine.
Er macht sich auf den Weg...

... mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.

Mit Rot Maria Stecken/ Kopf Gelb

Maria. Seine Verlobte.
Sie bekommt ein Kind, aber nicht von ihm.
Sie ist noch jung, vermutlich so um die 15.
Und schon schwanger.
Das hatte sie sich bestimmt anders vorgestellt.
Ihr Ruf ist erstmal dahin. Auch wenn ihr ein Engel gesagt hat, dass es ein besonderes Kind sein wird.
Kannste knicken.
Ein Kind, obwohl sie noch nicht verheiratet ist!
Ihre Träume, ihre Vorstellungen von der Zukunft?
Kann se knicken.
Kennt ihr das?
Man hat manchmal so Wünsche, die sich nicht erfüllen lassen.
Dann sagt man: Das geht nicht. Das kannste knicken.
So wie bei Maria.



Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.

Mit blau Stall stecken

Sie bekommt das Kind.
Mitten in der Kälte und dem Dunkel der Nacht.
Weit weg von Zuhause, ohne Hilfe und ohne ein richtiges Dach überm Kopf.
Nur ein Bretterverschlag ist es.
Eine zusammengeschusterte, windschiefe Hütte.
Ein Ochse kaut in der Ecke auf ein paar Halmen Stroh.
Hier soll man bleiben können? Kannste knicken.

Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Krippe mit grün und Jesus-Kopf mit Gelb stecken

Ein Junge ist es.
Aber an dem soll etwas Besonderes sein?
Danach sieht es nicht aus.
‚Rot und schrumpelig ist er – wie jedes Neugeborene.
Immerhin schreit er.
Aber „Sohn des Höchsten“? Ein König?
Kannste knicken.
Süß ist er ja.
Und vielleicht ist ja doch irgendetwas besonders an ihm. Zumindest hat das der Engel so behauptet.
Sie werden es herausfinden.
Aber nun brauchen sie Ruhe: Maria und Josef und das Kind.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.

3 Hirten mit rot und gelb und 3 Schafe mit Gelb

Hirte. Den Job kannste knicken.
Da bist du schon von Berufswegen auf der Verliererseite.
Für reiche Leute die Schafe hüten.
Dabei in der Kälte rumsitzen:
Da ist es legitim, geknickt zu sein.
Geknickt, weil niemand weiß, wie man heißt.
Geknickt, weil sich keiner interessiert sich für das, was man tut.
Geknickt, weil man in dieser Welt nicht wichtig ist.


         Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.

Engel mit weiß stecken

Ein Engel? Bei den Hirten? 
Da draußen, wo es eklig ist und kalt?
Normalerweise verirrt sich keine Menschenseele dort.
Nicht freiwillig. Kannste knicken.
Manchmal sehen sie tagelang keinen Menschen.
Da wird man schon ein bisschen scheu.
Und jetzt: ein Engelwesen. Licht. Helligkeit.
Jemand macht die dunkle Welt hell.
Da muss ein bisschen Fürchten drin sein!
Und „Fürchtet euch nicht“ ist schnell gesagt.
So ein Engel hat gut reden.

Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich    verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

Wie bitte? Der Heiland ist geboren?
Seit Ewigkeiten warten sie auf ihn.
Aber ein Kind? In einer Krippe?
Ein König, einer aus der Stadt Davids:
Der soll in diesen Verhältnissen leben?
Ein Palast müsste das doch sein.
Eine Zentrale der Macht – weithin sichtbar.
Damit man weiß, mit wem man es zu tun hat.
Schließlich soll er die Welt verändern.
Frieden bringen. Für Gerechtigkeit sorgen.
Aber ein Kind? Kannste knicken.

 Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Himmlische Heerscharen mit weiß stecken

Das hört gar nicht mehr auf! 
Ein Engelschor steht auf dem einsamen Feld.
Vor Minuten war es stockfinster.
Jetzt ist es hell wie am Tag.
So viele Engel kommen zu den Hirten.
Der Himmel ist offen.
Gott verbindet Himmel und Erde.
Licht, schiebt die Dunkelheit beiseite.
„Frieden für uns? Kannste knicken!“ sagen die Hirten.
„Frieden auf Erden“ sagen die Engel.

Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die      Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten.

Stern in Gelb

Sie hatten es gesehen,
mit eigenen Augen.
Ein armseliges Baby.
Der König in einem Stall.
Und drumherum: geknickte Menschen.
Wer denkt sich solche Geschichten aus?

Aber plötzlich ist alles anders.
Geknickte beginnen zu leuchten!
Licht schiebt die Dunkelheit beiseite
und in der finsteren Seele scheint es hell.

Gott denkt sich solche Geschichten aus:
kleine und geknickte Menschen
bringen den Frieden in die Welt.
Geknickte Menschen
beginnen zu leuchten.
Innen. In ihrer Seele.
Traurige, Einsame, Kranke.
Und solche, die geliebt werden möchten.
Weil Gott zu ihnen kommt.

Jesus.
Sein Leben beginnt und endet
als geknickter Mensch.
Als einer von uns
beginnt er zu leuchten.
Und dann ist Weihnachten. Amen.

Freitag, 30. März 2018

Karfreitag


"Frohe Ostern!"???

Karfreitag ist heute.
Der Tag,
an dem nichts mehr geht.
Der Tag,
an dem Gott
mit Haut und Haar
ins Elend gestürzt ist.
Ans Kreuz.
Damals.

Karfreitag.
Der Tag, an dem sich Gott
wieder und wieder
ins Elend der Welt stürzt
und stirbt
im Kugelfeuer am Hindukusch
in der belagerten syrischen Stadt
in den Gefängnissen der Despoten
in amerikanischen Schulen.
Heute.

Karfreitag.
Der Tag, an dem sich Gott
wieder und wieder
in die Niederungen
Der Zivilisation stürzt
und stirbt
durch Worte voller Hass
durch Misstrauen
durch Parteiprogramme
menschenunwürdiger Alternativen.

Karfreitag.
Der Tag, an dem sich Gott
wieder und wieder
In mein Elend stürzt
Und stirbt
mit meinem Zweifel
mit meinem Schmerz
mit meiner Ungeduld.

Frohe Ostern?
Ja!
Aber erst übermorgen!
Bis dahin
will ich Gott
sterben lassen
wieder und wieder.
Und hoffen,
dass nach dem Dunkel
ein neuer Morgen kommt
und neues Leben.
Und irgendwann
Frieden.

Bis dahin
halte ich
mit Gott 

aus.

Sonntag, 17. Dezember 2017

Einmal Hirtin sein.


Manchmal wäre ich gerne eine Hirtin.
Nicht so sehr wegen den Schafen.
Und wegen der Lagerfeueridylle.
Oder weil man möglicherweise ein Abenteuer erlebt,
da draußen auf den Feldern.
Nein, der Hirtenberuf ist hart.
Schlecht bezahlt und allem ausgesetzt, was eine Schafherde erleiden muss:
Hitze, Kälte, Dauerregen und Dürre.
Das Hirtenleben ist kein schönes Leben.

Trotzdem wäre ich manchmal
gerne eine Hirtin.
Eine wie der alte Hirte, 
der sein Leben lang gehofft und geglaubt hat.
Der die Geschichten kennt und weiß,
dass sie gut ausgehen.
Auch wenn es manchmal anders aussieht.
Ich wäre gerne eine Hirtin,
die an der Krippe steht.
Dort beim Kind. Im Stall.
Ich mag dort stehen und staunen.
Und sicher sein:
Das ist Gottes Sohn.
Das ist der König, der Frieden bringt.
Ich kann ihn sehen. Hören, Riechen. Berühren.
Und jetzt wird wahr, was wir seit Jahrhunderten
glauben
und hoffen
und wünschen.

Ich wäre manchmal gerne eine Hirtin.
Eine, die überrascht wird.
So wie der junge Hirte,
der es gar nicht glauben konnte,
wer da in der Krippe liegt.
Ich wäre gerne eine Hirtin,
die trotz Zweifel und Skepsis
und falschen Vorstellungen an der Krippe steht
und lacht.
Und das Kind lacht zurück.
Dann wären sie weggeblasen, die Zweifel.
Und ich würde dem Kind etwas vorflöten… obwohl…
vielleicht mag es ja lieber die Kelly Family?
Moderne junge Hirten können ja Spotify.

Manchmal wäre ich gerne eine Hirtin.
Eine, die dem Engel begegnet.
Der sagt: Fürchte dich nicht.
Und der mich einfach losschickt dahin,
wo auch heute
Gott zur Welt kommt.
Dann stehe ich da und staune
über einen kleinen Frieden in der Familie.
Über eine offene Tür für den Einsamen.
Über eine zweite Chance für die Chancenlose.

Fürchte dich nicht
würde der Engel zu MIR sagen.
MIR ist Gott geboren.
Für MICH ist Frieden auf Erden.

Ich glaube, wenn ich eine Hirtin wäre:
ICH würde mitgehen zur Krippe.
Und ich würde flöten.
Oder mit Spotify mitsingen.
Nur ein einfaches Hirtinnenlied.
Aber es wäre MEIN Lied.
Amen


(Gottesdienst mit dem Weihnachtsspiel der Kinderkirche am 17. Dezember in der Eusebiuskirche Wendlingen am Neckar)

Donnerstag, 9. November 2017

Neunter November



1918: Novemberrevolution
1923: Hitlerputsch
1938: Reichsprogromnacht
1989: Mauerfall

2017: Donnerstag

Mir fällt Dietrich Bonhoeffer ein:
„Ich glaube,
dass Gott aus allem,
auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage
soviel Widerstandkraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben
müsste alle Angst vor der Zukunft
überwunden sein.
Ich glaube,
dass auch unsere Fehler und Irrtümer
nicht vergeblich sind,
und dass es Gott nicht schwerer ist
mit ihnen fertig zu werden,
als mit unseren vermeintlichen Guttaten.
Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum ist,
sondern dass er auf aufrichtige
Gebete und verantwortliche Taten
wartet und antwortet.“
(Quelle: Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 30 f)


Freitag, 3. November 2017


Ich glaube, die Zukunft ist tot.
Gestern war sie noch da.
Ganz sicher.
Im Weltraum meiner Seele
bin ich ihr begegnet.
Recht oft und bisweilen
auch zu oft.
(Träumen wird man ja wohl dürfen.)

Im Nebelgewölk verborgen
aber da.
Manchmal leicht und schnell
kaum sichtbar wie eine Feder
im Herbstwind.

Manchmal mächtig und gewaltig
und unzerstörbar
wie eine feste Burg oder
die Fahrgastzelle bei Mercedes.
Bunt war die Zukunft
und farbenfroh und sauber
wie ein unbenutzter
Wasserfarbenkasten von Pelikan.

Ziemlich spontan war sie auch
Und ausgesprochen schlecht planbar.
Aber da.
Im Weltraum meiner Seele.

Da und auch wieder fort.
Gewonnen und zerronnen.
Täglich. Stündlich. Augenblicklich.
Da und wieder fort.
Fort und wieder da.
Greifbar und wieder entrückt.

Nun ist die Zukunft über Nacht
gänzlich abhanden gekommen.
Hat sich still und leise
und klammheimlich
aus dem Staub gemacht.
ist dem Heute gewichen.
Dem, wie es wirklich ist.
Realität jetzt.
Schwarz ist der Weltraum meiner Seele.
Ich suche den Wasserfarbenkasten  
aber finde den Kalender.
Seelenlos und zahlenvoll
bekomme ich die Rechnung präsentiert
für das, was kommt.
Vorkasse quasi?

Manchmal befahre ich
den Weltraum meiner Seele
im Nebel.
Ohne Licht.
Kalender ist Navi.
Der Weg ist Ziel.  
Ich übe Vertrauen.
Einer ist bei mir im finsteren Tal,
bei mir ist einer, der mich tröstet.
Wider Erwarten
finde ich
Licht am Ende des Weltraums
Farben im Nebel,
Zukunft
und
mich.

(Mein Beitrag zum 1. Böblinger Predigtslam am 03.11.2017 im Alten Amtsgericht) 


Sonntag, 4. Juni 2017

Pfingsten: Ein Lied - 7 Strophen - 7 Bilder


Komm, Gott Schöpfer Heiliger Geist (Pfingstlied von Martin Luther, EG 126)
Liedpredigt zu Pfingstsonntag 2017
in der Stephanuskirche im Roßdorf.




1. Ein Lied, ein Bild, ein Wort

Manchmal verschwimmen
Zahlen und Buchstaben
vor unseren Augen.
Manchmal fühlt man einen Knoten im Kopf.
Manchmal hat man mehr Fragen als Antworten.
Und mit einer Erklärung kommt man nicht weiter.

Manchmal sagen Bilder mehr als Worte.
Und nicht nur Pinsel und Papier helfen weiter.
Auch Worte können Bilder malen.



Manchmal ist ein Lied
mehr als eine Predigt.
Und ein Chor aus vielen Stimmen
mehr, als der Versuch eines Einzelnen,
ein Gebet zu stammeln

Manchmal braucht es ein Lied, ein Bild, ein Wort
um zu sehen
und zu glauben.
Manchmal braucht es einen wie Martin Luther,
der uns 7 Bilder vor Augen malt,
die wir singen können – bis heute.


2. Sieben Strophen, sieben Bilder, sieben Worte

a. Herz (Motiv: Herz)

1. Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist,
besuch das Herz der Menschen dein.
mit Gnaden sie füll, wie du weißt,
dass sie dein Geschöpfe sein.

Es schlägt in mir.
Es hält mich am Leben.
Es gibt die Taktzahl vor.
Das Herz hält am Leben
was Gott geschaffen hat.  
Ein kleines Kraftwerk ist es.
Eine kaum faustgroße Maschine,
die unermüdlich ihren Dienst tut.
Die kleinste Unregelmäßigkeit bringt
alles durcheinander,
macht Beschwerden,
ist behandlungsbedürftig.

Mein Herz.
Es erhält in mir
die Erinnerungen an mein Leben.
Es definiert die Taktzahl für
Freude und Schmerz,
Glück und Verzweiflung,
Dankbarkeit und Trauer.
Das Herz fühlt das Leben,
das Gott erschaffen hat.
Mein Leben.

Dort hinein kommst du,
Gott, Schöpfer, Heiliger Geist.  
Nimmst den Takt auf.
Dirigierst und komponierst
mein Leben
und ich bin gewiss:
Mein Herz
und ich
sind Deins.

Jesus spricht:
Wer mich liebt, der wird mein Wort halten;
und mein Vater wird ihn lieben
und wir werden zu ihm kommen
und Wohnung bei ihm nehmen.
(Joh 14,23)



b. Tröster (Motiv: Pflaster)

2. Denn du bist der Tröster genannt,
des Allerhöchsten Gabe teu’r,
ein geistlich Salb an uns gewandt,
ein lebend Brunn, Lieb und Feu’r.

Mama!!! Trösten!!!Dann ein Schluchzer.
Tränen und Rotz.
Und Mamas Arm.
Ein Kuss,
ein Taschentuch.
Ein Glas Sprudel. 
Ein Pflaster.
Das mit dem Marienkäfer.
Oder das mit dem Schlumpf.

Diese Welt braucht so viel Pflaster!
Wir alle brauchen so viel Pflaster.
Nicht nur wegen aufgeschlagener Knie und
Holzspreiseln vom Gartenzaun.

Ein Pflaster gegen Einsamkeit am Sonntag abend
und eins gegen den Hass verbitterter Menschen.
Eins gegen böse Gerüchte.
Eins gegen Krebs und
eins gegen Krieg.
Eins gegen Terror. Ganz besonders Heute.
Ein Pflaster gegen schlechte Noten
und Männergrippe und
grölende Nachbarn.
Wir brauchen ein Pflaster gegen
Wut und Trauer und Heimweh.
Und ein Pflaster gegen Liebeskummer auch.

Im Notfall ist für alles ist gesorgt.
Du bist Mutter und Vater.
Und Tröster.
Du bist da.

Jesus spricht:
Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen,
ich komme zu euch.
(Joh 14,18)



c. Verstand  (Motiv: Kopf/Glühbirne)

3. Zünd uns ein Licht an im Verstand,
gib uns ins Herz der Liebe Inbrunst,
das schwach Fleisch in uns, dir bekannt,
erhalt fest dein Kraft und Gunst.

Verstehen möchte ich
wie das ist mit dem Glauben.
Und dem Himmel.
Und dem Leben.
Warum Katzen schnurren
und warum Löwenmäulchen nicht beissen.
Irgendwann möchte ich wissen,
warum es Liebe gibt und Hass,
warum manche Freunde immer noch da sind und
andere seit Jahren schweigen.
Warum man Angst hat vor Fremdem
und vor Nähe auch.
Und warum das Stockbrot am Strand
besser schmeckt als 5 Gänge im Hilton.

Und sehen will ich das, was man nicht sieht.
Den unsichtbaren Draht zwischen zwei Menschen,
die sich erst kurz kennen,
aber schon ewig verstehen.
Den Schutzengel,
der schneller fliegt als das Auto fährt.
Die Stärke des Todkranken,
der sich nie aufgibt und den Tumor besiegt.

Ich möchte wissen,
warum ich liebenswert bin
obwohl schlechte Gedanken
sich pausenlos im Kreis drehen.
Ich möchte sicher sein,
auch etwas richtig gemacht zu haben.
Ich möchte Entscheidungen richtig treffen.
Mich auf meine Intuition verlassen.

Jesus spricht:
Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit,
kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten.
(Joh 16,13)

d. Finger an Gottes rechter Hand (Motiv: Hand)

4. Du bist mit Gaben siebenfalt
der Finger an Gottes rechter Hand;
des Vaters Wort gibst du gar bald
mit Zungen in alle Land.


Finger
bist du.
Ein Fingerzeig,
der erinnert,
der Orientierung gibt.
Der hinweist auf das,
was richtig ist. Und wichtig. Und gut.
Ein Fingerzeig, der Aufmerksam macht
auf die kleinen Dinge,
die das Leben wertvoll machen.
Der Besuch bei der alten Nachbarin im Heim.
Der auf dem Schulweg gepflückte Blumenstrauß.
Das Singen der Amsel am Ende der Nacht.

Ein Fingerzeig bist du,
der wachrüttelt und aufrüttelt.
Der sich hineinlegt in offene Wunden.
Der hinweist auf falsche Entscheidungen
und irrsinnige Politik.
Ein Finger, der sich selbst verwundet
am Stacheldraht, der Europa schützen soll.
Der umwirft die Mauern in den Köpfen derer,
die anderen vorschreiben,
wen und wie sie zu lieben haben.

Fingerzeig bist du,
der erinnert
an  Wichtiges,
an Versprochenes,
an Heiliges.

Jesus spricht:
Aber der Tröster, der heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
(Joh 14,26)



e. Frieden  (Motiv: Peace-Zeichen)

5. Des Feindes List treib von uns fern,
den Fried schaff bei uns deine Gnad,
dass wir deim Leiten folgen gern
und meiden der Seelen Schad.

Frieden.
Schalom.
Salam.
Peace.

Weltfrieden brauchen wir!
Dringend!
Doch wo beginnen wir den?
Die Welt ist so groß!
Dann lieber nur
Frieden in Europa.
Vielleicht klappt ja der.
Wobei…
Selten war er so wackelig.
Aber kann ich das ändern?
Frieden in Deutschland:
schon das ist manchmal schwer genug.
Frieden in unserer Stadt?
Unserem Stadtteil?
Frieden jetzt und hier?
Vielleicht.
Vielleicht auch nicht.
Kleinkrieg ist Alltag.
Kleinfrieden?
Ist auch Alltag.
Oft merken wir den gar nicht,
den kleinen Frieden.

Frieden ist
wo Nachbarn zusammen Kaffee trinken,
auch wenn die Katze des Einen
den Koi-Karpfen des anderen gefressen hat.
Frieden ist, wenn Kollegen einander
ehrlich Feedback geben können
und niemand Angst haben muss
vor der Konkurrenz.
Frieden ist, wenn Ehepartner
nicht alles auf die Goldwaage legen.
Auch nicht die Socken in der Sofa-Ritze.
Frieden ist, wenn Muhammad aus Syrien
meinen Hund streichelt,
ohne schreiend von ihm wegzurennen.
Frieden ist, wenn Lehrerin
und Schüler zusammen Eis essen.
Frieden ist, wenn Yaya aus Gambia und
Trudi aus Frickenhausen zusammen 4gewinnt spielen.
Frieden ist, wenn man nicht nur Erfolg mit anderen teilen kann, sondern auch Wut und Angst,
Wurst und Schnaps,
Tod und Leben.

Jesus spricht:
Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.
Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.
Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
(Joh 14,27)


f. Glauben (Motiv: Haus)

6. Lehr uns den Vater kennen wohl, dazu Jesu Christ, seinen Sohn,
dass wir des Glaubens werden voll,
dich, beider Geist, zu verstehn.


Gott kennen.
Eine Vorstellung von ihm haben.
Wissen, wo man ihn findet.
Wo sein Wohnsitz ist.
Glaubensgewissheit haben.
Nicht mehr über Zweifel sinnieren.
Gibt es einen Gott oder bilden wir uns das nur ein?
Haben alle den gleichen Gott -
oder ist Allah unter einer anderen Adresse erreichbar?
Wer ist denn Gott überhaupt –
und wenn ja: wieviele?
Und was kann man eigentlich
über Gott wissen?

Glauben lernen hört nie auf.
Vom ersten bis zum letzten Atemzug
lässt sich Gott suchen und finden. 
In der Geschichte, die die Oma erzählt.
In der Kinderbibel, die man schon selber lesen kann.
Im Konfirmandenunterricht.
Beim Traugespräch.
Im Hauskreis.
Beim Kaffee trinken mit der besten Freundin
auf der Eckbank in der Küche
und beim Allein sein draußen im Wald.
Hier im Gottesdienst.
Und  später beim Feiern
mit der Familie.

Jesus spricht:
Euer Herz erschrecke nicht!
Glaubt an Gott und glaubt an mich!
In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen.
(Joh 14,1.2)


g. Vater, Sohn und Tröster  (Motiv: leeres Bild)

7. Gott Vater sei Lob und dem Sohn,
der von den Toten auferstand,
dem Tröster sei dasselb getan
in Ewigkeit alle Stund.

Alles in einem
und einer in allen.
Ein Geheimnis ist es
immer noch – und bis
ans Ende unserer Tage.
Gott ist die eine – und doch drei.
Er sprengt unsere Vorstellung.
Alle haben wir andere Ideen von Gott.
Für die eine ist Gott weiblich
und sie hat dunkle Haut.
Für den anderen ist Gott männlich,
mittelalt und mit Vollbart.

Gott ist anders.
Nicht für alle gleich.
Manchmal sogar für mich
heute so und morgen ganz neu.
Aber Gott ist.
Und Gott ist gut.
Und Gott bleibt gut.

Jesus redete in Bildern.
Weil seine Freunde Bilder verstehen konnten.

Martin Luther hat versucht,
für seine Zeit ein Bild zu zeichnen von Gott.
Ein Bild, das man singen kann.
Vielleicht hat er deshalb
Gott etwas besser verstanden.

Wir dürfen heute
für unsere Zeit ein Bild zeichnen für Gott.
Ein leerer Rahmen
lässt Platz
für mein Bild von Gott.
Meine Erfahrung mit Gott.
Meinen Wunsch an Gott.

Lässt Platz für
Schöpfer, Jesus und Heiligen Geist.

Vielleicht hat manches Bild Ähnlichkeit
mit dem von Martin Luther.
Vielleicht entstehen auch etwas ganz Neues.
Vielleicht fällt euch auch ein Lied dazu ein.

Nehmt einen leeren Rahmen mit.
Jede/r kann selber malen.   

Jesus spricht:
Das habe ich euch in Bildern gesagt.
Es kommt die Zeit, da ich nicht mehr in Bildern mir euch reden werde, sondern euch frei heraus verkündigen von meinem Vater.
Denn er selbst, der Vater hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin.
(Joh 16,25.27)



3. Ein Lied, ein Bild, ein Wort II

Manchmal braucht es ein Lied, ein Bild, ein Wort
um zu sehen
und zu glauben.
Manchmal braucht es mich.
Ich kann anderen Bilder vor Augen malen,
dazu singen und erzählen:
Mein Lied.
Mein  Bild.
Mein Wort.
Gott.

Amen