Sonntag, 17. Januar 2021

Fragen an den Horizont

 



Fragen an den HORIZONT

 

Wie weit bist du entfernt von mir?

Ändert sich meine Aussicht, wenn ich bei dir bin?

Was kommt hinter dir?

Wie geht der Weg zu dir?

Was beginnt bei dir?
Der Himmel oder die Hölle?




Am 13. November 2020 hat sich unter der Federführung von Birgit Mattausch ein ganzes Rudel von Schreib-Eulen vor den PC's zusammengerottet, um Texte zu schreiben. 
Texte, die das Anliegen der Seenotrettung aufgreifen - und vor allem das Bündnis #United4Rescue bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen. 

GrenzGebiet

 




Im Grenzgebiet
zwischen Leben und Tod
mischen sich Tränen
mit salzigem Meerwasser.

Menschen sehen Menschen sterben.
Müssen weiter leben
mit inneren Bildern.
Der Tod hat sich in ihre Seele gebrannt.
Das Leben atmet weiter.

Hoffnung ist zerbrechlich
und ein Ziel ist in weiter Ferne.
Aber jemand ist da.
Schaut hin.
Teilt Schmerz, Wut und Hoffnung.
Bleibt Mensch.
Im Grenzgebiet
zwischen Leben und Tod.


Am 13. November 2020 hat sich unter der Federführung von Birgit Mattausch ein ganzes Rudel von Schreib-Eulen vor den PC's zusammengerottet, um Texte zu schreiben. 
Texte, die das Anliegen der Seenotrettung aufgreifen - und vor allem das Bündnis #United4Rescue bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen. 

SeelenSchiffBruch






Meine Seele hat Schiffbruch erlitten.

Sie schwimmt.
Versucht sich über Wasser zu halten im Meer der schlechten Nachrichten.

Mind. 13 Menschen sind gestern vor der libyschen Küste ertrunken. Unter ihnen drei Frauen und ein Kind. (Sea-Watch 11. November 2020)

Die Wellen schlagen über ihr zusammen.
Wo ist der Rettungsring?
Meine Hoffnung schnappt nach Luft.

In der vergangenen Woche wurden mindestens 1000 Menschen nach Libyen zurückgeschleppt - zurück in den Kreislauf aus Menschenrechtsverletzungen, Folter, Missbrauch und willkürlicher Haft (Sea-Watch 9. November 2020)

Meine Seele hat Schiffbruch erlitten.
Das Aufaddieren der Toten wird zur Zahlenspielerei.
Die Berichte über Push-Backs werden täglich mehr.

Unsere Teams in Sorman #Libyen haben heute drei Frauen - einzige Überlebende eines weiteren Schiffsbruchs, bei dem 20 Menschen ertranken - geholfen. Sie wurden von einheimischen Fischern gerettet, standen unter Schock und waren in Panik; sie sahen wie geliebte Menschen unter den Wellen verschwanden und vor ihren Augen starben“  
(News from the Med 12. November 2020)

Ich möchte laut schreien.
Werde ich gehört?

Meine Seele hat Schiffbruch erlitten.
Mitten im reichen Europa fühle ich mich arm. 


Am 13. November 2020 hat sich unter der Federführung von Birgit Mattausch ein ganzes Rudel von Schreib-Eulen vor den PC's zusammengerottet, um Texte zu schreiben. 
Texte, die das Anliegen der Seenotrettung aufgreifen - und vor allem das Bündnis #United4Rescue bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen. 

Psalm 1 feat. United4Rescue


Psalm 1

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gewissenlosen noch tritt auf dem Weg derer, die sagen: „selbst schuld, wer sich in ein solches Boot setzt!“ 

                noch sitzt am rettenden Ufer und lästert über Gutmenschen.

Sondern weiß um den Wert des Lebens
                und kämpft um Menschenrechte Tag und Nacht!

Der ist wie ein Rettungsschiff im Mittelmeer,
                das da ist zur rechten Zeit,

es hat genügend Schwimmwesten an Bord.
                Und es hat Platz für alle.

Aber so sind die Gewissenlosen nicht,
                sondern wie Gischt, die der Wind verweht.

Darum bestehen die Gewissenlosen nicht vor Gericht
                noch die EU-Asylpolitik in der Gemeinde derer, die sagen:
                Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt!

Denn Gott kennt den Weg der Gerechten,
                aber der Gewissenlosen Weg vergeht. 



Am 13. November 2020 hat sich unter der Federführung von Birgit Mattausch ein ganzes Rudel von Schreib-Eulen vor den PC's zusammengerottet, um Texte zu schreiben. 
Texte, die das Anliegen der Seenotrettung aufgreifen - und vor allem das Bündnis #United4Rescue bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen. 




Mittwoch, 8. Juli 2020

Friedhofsgärtnerei


Die Kleine Oma ist umgezogen.
Vom einen Garten in den anderen.
Von ihrem Garten in der Frühlingstraße
und vom Straßenacker,
vom Wiedem und von der Finkenreute
in den himmlischen Garten.
Dort wollte sie hin.
Schon lange.
Sie wusste schon immer:
dort wird sie weiter blühen.
Geh aus mein Herz.



Heute haben wir sie eingepflanzt.
Eingegraben in Gottes Acker.
Ihm die Kleine Oma zurückgegeben,
die immer da war.
Viele sind gekommen.
Alle hat sie zum Blühen gebracht,
die Kleine Oma.
Schau an der schönen Gärten Zier
und siehe.


Und am Ende:
die Kinder.
Die Urenkel*innen.
Die wilden 13.
Alle am Grab.
Keiner will gehen.
Und alle helfen mit.
Den Garten zu richten
wo die Kleine Oma
jetzt hier und dort ewig
blühen wird.


Er sagte:
helft mir doch.
Und sie halfen.
Tannenreisig
Steine.
Erde.
Mit den Händen und
mit dem Bagger.
Erde in das Grab.
Auf dem Sarg.
Oma einpflanzen
im Garten Gottes.


„I muss da jetzt helfa!“
Und dann schnell zum Bagger stiefeln.
- der eine.


„Des isch hart. Des isch fei richtig hart.“
Und dann schnell den Hund streicheln.
- die andere.  



Mach in uns deinem Geiste Raum.
Da wachsen
Kleine und Große
wie Bäume.
Und die kleine Oma?
Blüht.
Ganz bestimmt.


Dienstag, 12. Mai 2020

Bethel: Wo der Stein ist wohnt Gott


OpenAirGottesdienst 

im Seniorenzentrum "Taläcker"


So langsam spürt er die Müdigkeit
in allen Knochen.

Weit war der Weg.
Die Sonne brennt vom Himmel
und in seiner Seele brennt es auch.
Daheim konnte er nicht bleiben
nach allem was passiert ist.
Und ein gutes Gewissen hat er auch nicht.
Aber jetzt ist es, wie es ist -
und Jakob wandert seinem neuen Leben entgegen.  
Haran ist sein Ziel.
Dort ist er in Sicherheit bei der Familie seiner Mutter.
Den Segen des Vaters hat er erschlichen.
Er wollte nicht immer die zweite Geige spielen.
Nun muss er damit klarkommen.
Und wenn alles gut läuft, kann er dort neu anfangen.
Vielleicht findet er die Liebe seins Lebens.
Kann eine Familie gründen.
Und den Abschiedsschmerz vergessen.
Den Abschied von seinem Zuhause,
von seinen Eltern und seinem Bruder.
Den Abschied von der Heimat.


Sein Vater hat ihn gesegnet.
Und trotzdem fühlt er sich unterwegs alleine.
Verlassen von allem, was ihm vertraut ist.


Ob Gott ihn auch verlassen hat?
Wenn man einsam ist, stellt man sich diese Frage.


Müde schleppt er sich vorwärts.
Jeder geschaffte Meter bringt ihn seinem Ziel näher.
Die Sonne geht unter und es ist Zeit für das Nachtlager.
Am Wegrand hat jemand Steine zusammengetragen.
Ein Altar. Ein Zeichen.
Gott ist mit auf dem Weg.
Wer weiß, wieviele hier schon Pause gemacht haben?
Jakob nimmt sich einen Stein von der Ansammlung.
Er hat die richtige Größe, um den Kopf für ein Nickerchen abzulegen.
Erschöpft schläft er ein.

Jakob träumt.
Er sieht den Himmel offen.
Eine Leiter reicht von der Erde bis zum Himmel
und die Engel steigen hinauf und hinab.
Und oben steht Gott selbst.

Gott sagt:
Ich bin Gott, der Herr.
Der Gott von Abraham und Isaak.
Dieses Land, auf dem du liegst,
will ich dir und deinen Nachkommen geben.
Du sollst viele Nachkommen haben.
Sie alle sind von mir gesegnet.
Und egal wo du hingehst:
ich behüte dich.
Und ich werde dich wieder hierher zurückbringen.
Ich will dich nicht verlassen, bis alles geschehen ist,
was ich dir versprochen habe.


Jakob reibt sich die Augen.
Hat er geträumt?
Oder war das grade Wirklichkeit?
Hat er tatsächlich Gott gesehen?
Hier in dieser Steinwüste
ist ihm tatsächlich Gott begegnet.

Am Morgen steht Jakob auf.
Er nimmt den Stein, auf dem sein Kopf lag,
und richtet ihn auf zu einem Steinmal.
In seinem Bündel findet er eine kleine Flasche Öl.
Hier wohnt Gott, sagt Jakob – und gießt Öl auf den Stein.
Ich nenne den Ort Bethel.
Das bedeutet „Haus Gottes“.
Ich weiß: Gott ist bei mir
und wird mich behüten, egal, wohin ich gehe.
Er wird für mich sorgen.
Und ich werde in Frieden wieder
hierher zurückkommen in meine Heimat.
Dieser Stein soll immer daran erinnern:
Gott meint es gut.


Und dann macht sich Jakob auf den Weg
in seine ungewisse Zukunft.


Immer wieder wenn er einen Stein erblickt 
erinnert er sich daran:
Haus Gottes.
Hier wohnt Gott.


Ihn tröstet das, weil er weiß:
er ist nicht allein.


In diesen verrückten Corona-Zeiten
gibt es viel Alleinsein.
Viele Abschiede.
Viel Sehnsucht nach der Familie.
Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl:
keiner ist da.
Keiner interessiert sich für mich.
Heute hat schon wieder niemand angerufen.
Solche Gedanken kennt man auch,
wenn man mit anderen Menschen zusammen wohnt.
Weil die, die man im Herzen hat, so weit weg sind.
Und keiner weiß, wie lange das noch so geht.


Um so wichtiger, dass Gott da ist.
Dass wir sicher sind:
er wohnt auch hier.
Hier ist der Himmel offen.
Und hier bin ich nicht von Gott vergessen.


Und um so wichtiger, dass wir ganz bewusst
Zeichen setzen, um aneinander zu denken.


In ganz Deutschland und darüber hinaus
malen Menschen allen Alters bunte Steine.
Die legen sie an den Wegrand.
Oder vor Haustüren.
Oder in Gärten und Parks.
Sie machen das deshalb, um daran zu erinnern:
auch wenn alles trostlos und steinig aussieht gibt es Hoffnung.
Jemand denkt an dich.

Auch Kinder in Wendlingen bemalen bunte Steine.
Ein paar davon sind schon hier angekommen.
Hier im Haus Taläcker.
Und es werden sicher noch mehr kommen.


Bunte Steine, die daran erinnern:
Sie sind nicht alleine.
Jemand denkt an Sie
und will Ihnen eine Freude machen.


Und wenn Sie in den nächsten Tagen und Wochen
irgendwo so einen bunten Stein entdecken;
dann erinnern Sie sich doch daran:
Wo der Stein ist, wohnt Gott.
Da ist Bethel, das Haus Gottes.
Da werden Sie gesegnet und der Himmel ist offen.
Auch wenn der Weg steinig und mühsam ist
und Sie sich erschöpft fühlen.


Auch ich habe ein paar Steine mitgebracht,
die hier bleiben sollen. Die Sie entdecken können.
Bestimmt werden es täglich mehr.
Sie sind als Foto auch auf Ihrem Liedblatt.




Jeder Stein trägt die Botschaft:
Und siehe, ich bin mir dir und will dich behüten, wo du hinziehst,
und will dich wieder herbringen in dies Land.
Denn ich will dich nicht verlassen,
bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.


Amen. 



1.   Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will Ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

2.   Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil! Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil, das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt; sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig ungetrübt.
(Paul Gerhardt 1653)


Montag, 6. April 2020

Brief an eine Randfigur




Lieber Josef von Arimathäa!  

Man sagt, Du warst auch ein Freund von Jesus, wenn auch einer,
der sich in der Öffentlichkeit lieber zurückgehalten hat.
Deshalb wirst Du nur an zwei Stellen in der Bibel erwähnt. Böse Zungen sagen, Du wärst eine Art „Randfigur“. Einer, der keine große Rolle gespielt hat. Man weiß über Dich, dass Du reich warst. Und dass Du ein
„angesehener Ratsherr" warst. Aber sonst wissen wir nur eines: Dass es
Dir wichtig war, dass Jesus nicht als Verbrecher am Kreuz bleibt.
Wenigstens ein würdevolles Begräbnis sollte er bekommen.
Du bist zu Pilatus gegangen und hast darum gebeten, den toten
Jesus in ein Grab legen zu dürfen.
In Dein Grab.
Nein, eine Randfigur bist Du für mich nicht, lieber Josef.
Du konntest zwar nicht ahnen,
was da ein paar Stunden später passieren würde –
aber aus Deinem Grab ist Jesus auferstanden.
Dein Grab ist der HotSpot der Geschichte Gottes!
Vielleicht erinnere ich mich beim nächsten Mal an Dich,
wenn ich mir mein eigenes Grab schaufle.
Ein Sorgen-Grab,
ein Angst-Grab,
ein Egoismus-Grab
oder ein
Mir-ist-alles-egal-Grab.
Vielleicht wird mein Grab auch
ein HotSpot für Auferstehung!?

Hoffnungsgrüße,
Deine

Bärbel Greiler-Unrath


(Anker des Tages für den 7. April 2020  www.evkwn.de)