Samstag, 1. Mai 2021

Das Gebet der Geflüchteten


Nach Jesus Sirach 35,16-22a

Er hilft dem Armen ohne Ansehen der Person 
und erhört das Gebet des Geflüchteten, der im Boot sitzt. 
Er verachtet das Flehen der unbegleiteten Minderjährigen nicht. 
Und auch nicht das Klagen der Witwe, 
deren Geliebter auf dem Grund des Mittelmeeres liegt. 
Laufen ihr nicht die Tränen die Wangen hinunter, 
und richtet sich ihr Schreien nicht gegen die, die die Tränen fließen lassen?
Die Terrormilizen und die Ausbeuter. 
Die lybischen Sklavenhändler.  
Die Besatzungen der Frontex-Schiffe. 
Und politisch Verantwortliche in ganz Europa. 

Wer in Sicherheit ist hat leicht reden: 
"Wer Gott dient, den nimmt er mit Wohlgefallen an, 
und sein Gebet reicht bis in die Wolken."
Das Gebet aber eines Menschen im Schlauchboot 
dringt durch die Wolken, 
doch bis es dort ist, 
bleibt er ohne Trost und hat Angst um sein Leben. 
Und er lässt nicht nach, 
bis der Höchste und Europa sich seiner annimmt 
und den Gerechten ihr Recht zuspricht und Gericht hält.




(C) Foto: United4Rescue

Sonntag, 4. April 2021

Geht und werft mit Hoffnung um euch!

Gottesdienst  
an Ostersonntag
vor der Eusebiuskirche
in Wendlingen



Maria aus Magdala und „die andere Maria“
sind durcheinander.
Was die letzten Tage passiert ist,
war einfach zu viel für ihre Seele.
Jesus ist tot. Umgebracht. Ermordet.
Jesus. Ihr Freund.
Jahrelang hatten sie ihn begleitet.
Und jetzt das. 
Keiner konnte ihm helfen.
Bis zuletzt haben sie auf ein Wunder gehofft.
Aber nichts ist passiert.
Jesus liegt in einem Felsengrab.
Da ist es dunkel und kalt.
Da wächst nichts.
Da blüht nichts.
Da ist alles tot.

Ein großer Stein liegt vor dem Grab
und auf den Seelen von Maria und Maria
und all den anderen.

Steine auf der Seele drücken nieder.
Sorgensteine und Angsteine.
Einsamkeitssteine.
Sich wertlos fühlen-Steine.
Krankheitssteine.
Ich kann dich nicht leiden- Steine und
Ich kann mich selbst nicht leiden- Steine.

Steine drücken die Seele nach unten.
Immer wieder zurück in die Dunkelheit.
Dahin, wo es kalt ist.
Und nichts wächst.
Und nichts blüht.

281Der Sabbat war vorüber. Da kamen ganz früh am ersten Wochentag Maria aus Magdala und die andere Maria. Sie wollten nach dem Grab sehen.2Plötzlich gab es ein heftiges Erdbeben, denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab. Er ging zum Grab, rollte den Stein weg und setzte sich darauf.3Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz, und sein Gewand war weiß wie Schnee.4Die Wachen zitterten vor Angst und fielen wie tot zu Boden.

„Maria!“ Maria bleibt erschrocken stehen.
„Schon wieder ein Erdbeben!
Ob das wohl was bedeutet?“
„Los, schnell!“ Maria und Maria rennen los.
Hin zum Grab.
„Was ist das?“
„Meine Güte!“
Beide Marias halten sich vor Schreck
die Hände vors Gesicht.

Kennt ihr das? Erst mal verstecken.
Was da passiert, ist zu groß,
um es auf einmal zu ertragen.
Wir machen das alle mal.
Halten alle die Hände vors Gesicht.
Seht ihr die Dunkelheit?
Und jetzt stellt euch vor, es wird schlagartig hell.
Und es ist, als ob die ganze Kirche wackelt
und ein Engel den Kirchturm verschiebt.
Traut ihr euch zu gucken?
Wenn ihr vernünftig seid
guckt ihr erst ein bisschen durch die Finger!
Und ganz langsam
kann man dann die Hände wegnehmen.

Natürlich steht hier alles noch.
Aber ähnlich groß und verrückt
muss sich das für Maria und Maria angefühlt haben.
Und auch für die Soldaten,
die das Grab bewacht haben.
Die fielen vor Schreck einfach um.

Es ist wichtig,
sich erst langsam ans Licht zu gewöhnen,
wenn man im Dunkeln sitzt.
Man weiß das von Leuten, die Höhlen erforschen.
So ist es auch mit der Seele.
Wenn die im Dunkeln sitzt, erschrickt man schnell.

5Der Engel sagte zu den Frauen: »Fürchtet euch nicht! Ich weiß: Ihr sucht Jesus,    der gekreuzigt wurde. 6Jesus ist nicht hier. Gott hat ihn von den Toten auferweckt, wie er es vorausgesagt hat. Kommt her und seht: Hier ist die Stelle, wo er gelegen hat.

Fürchtet euch nicht!
Der Engel hat gut reden.
Wenn das so einfach wäre!  
Erdbeben! Licht! Eine fremde Gestalt!
Und nichts ist, wie es vorher war!
Der Engel tut was er kann,
damit Maria und Maria verstehen, was da los ist.
Kommt her und seht!
sagt der Engel.
Kommt her und seht:
die schlimme Zeit hat ein Ende.
Jetzt kommt etwas Wunderbares und Neues.
Das ist Ostern:
Hinsehen, was war.
Hinsehen, wo der Tod lag.
Hinsehen, wo der Stein immer noch schwer
an der Seite liegt und erinnert und bleibt.
Aber gleichzeitig zu wissen: es wird anders.
Und zu spüren: der Stein kann weg.
Auch der auf der Seele.

7Jetzt geht schnell zu seinen Jüngern! Sagt ihnen: ›Jesus wurde von den Toten auferweckt. ‹Er geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen. Auf diese Botschaft könnt ihr euch verlassen.«  8Die Frauen waren erschrocken und doch voller Freude. Schnell liefen sie vom Grab weg, um den Jüngern alles zu berichten.


Der Engel hat gesagt: 
Ihr werdet ihn sehen.
Da geht jemand aufs Ganze.
Nicht: Es könnte sein,
dass euch Jesus irgendwann mal wieder begegnet.
Sondern: Ihr werdet ihn sehen.
Nicht: Es könnte sein,
dass irgendwann wieder bessere Zeiten kommen.
Sondern: Die Zeit ist schon da.
Nicht: Wenn ihr Glück habt ist er bei euch. 
Sondern: Ihr könnt euch darauf verlassen.

Ein Engelsversprechen also.
Das reicht aus: Maria und Maria laufen los.
Den Stein, der auf ihrer Seele liegt, lassen sie zurück.
Bei den anderen Steinen
und den Soldaten
und der Dunkelheit.

9Da kam ihnen Jesus selbst entgegen und sagte: »Seid gegrüßt!« Sie gingen zu ihm, berührten seine Füße und warfen sich vor ihm zu Boden. 10Da sagte Jesus zu ihnen: »Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen. Dort werden sie mich sehen.«


Was für ein Moment!
Er lebt! Tatsächlich!
Das Wunder ist geschehen!
Jesus steht vor ihnen.
Mitten auf dem Weg,
mittendrin im Leben.
Auf der langen, steinigen Straße -
die zwar ein Ziel hat,
aber bis dahin
noch viele Steine und Kurven.

Auf dieser Straße
liegen Maria und Maria  
vor Jesus im Dreck.
Im Staub.
Das Geröll der Straße
auf Augenhöhe
mit dem Geröll in ihrem Herzen.

Geht!
Sagt Jesus.
Maria und Maria schütteln sich
den Staub von der Seele
und aus ihren Kleidern und gehen.
Nicht mehr gebückt
und niedergedrückt vom Seelenstein.
Es ist, als ob ihre Seele der Sonne entgegenblüht.
Aufrecht und fröhlich.
Und voller Hoffnung.
Sie denken nicht mehr an Sterben und Tod.
Sondern an Lavendelblüten,
frisch gebackenes Brot und Wein
mit Freunden.
Und an fröhliche Musik.

Und so kommen sie nach Galiläa.
Die anderen weinen.
Niemand dort weiß,
was bisher geschah. 
Nur Maria und Maria wissen es.

Sie erzählen.
Vom Stein am Grab
und dem Stein auf ihrer Seele.
Und dass beide weg sind.

Sie erzählen davon,
dass schlimme Zeiten auch vorbei gehen.
Erzählen von Musik, Brot und Wein.
Von Lavendel und davon,
dass man Hoffnung riechen kann.


Wenn ihr nachher geht,
bekommt ihr ein Tütchen. 
Darin ist etwas, das man werfen kann.
Es ist eine Samenbombe:
Erde mit Blumensamen vermischt.
Ihr müsst sie nur irgendwo hinwerfen,
wo Blumen wachsen können,
und ein bisschen gießen.

Vielleicht gibt es Menschen oder Orte,
die ein bisschen Hoffnung besonders nötig haben.
Dann werft sie dort hin.

Vielleicht braucht ihr die Hoffnung
auch selber in diesen Zeiten!
Dann werft sie euch selbst in den Vorgarten.
Oder pflanzt sie in einen Balkonkasten.

Geht!
hat Jesus gesagt.
Geht und werft mit Hoffnung um euch!

Macht euch auf den Weg! 
Erzählt von Ostern!
Sagt, dass schlimme Zeiten ein Ende haben
und dass danach etwas Neues aufblüht.

Werft die Hoffnung in Vorgärten und Parks.
In Fußgängerzonen, an Straßenränder
und neben einsame Weggabelungen.
Pflanzt sie auf dem Balkon.

Dann duftet Hoffnung
nach Gänseblümchen und Kornblumen.
Adonisröschen und Salbei.

Und dann geht und blüht selber.
Wie Maria und Maria.
Und Jesus kommt euch entgegen.
Amen.



Montag, 29. März 2021

Gegenüber vom Grab: auf verlorenem Posten?

                                                                                                                         (Bild: pixabay)
Passionsandacht in der Eusebiuskirche am 29. März 2021

 

I.                  Hinschauen

Unerträglich waren die letzten Tage.
Alle paar Stunden wieder
neue schlechte Nachrichten
und letztendlich war auch
der letzte Funke Hoffnung dahin.
Nein, sie würden Jesus nicht im Stich lassen.
Die beiden Marias wissen, was zu tun ist.
Auch wenn es damals nicht gerne gesehen war,
wenn Frauen bei Gericht den Prozess beobachten:
Sie mischen sich unters Volk
und schauen sich alles an.
Alles.

II.               Dabeisein

Aus Matthäus 27:

  55Es waren auch viele Frauen da, die aus der Ferne alles mit ansahen. Seit Jesus in Galiläa wirkte, waren sie ihm gefolgt und hatten für ihn gesorgt.56Unter ihnen waren Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus und Josef, und die Mutter der Söhne des Zebedäus.

57Als es Abend wurde, kam ein reicher Mann aus Arimatäa. Er hieß Josef und gehörte zu den Jüngern von Jesus.58Er ging zu Pilatus und bat ihn um den Leichnam von Jesus. Da befahl Pilatus, ihm den Leichnam zu übergeben.59Josef nahm den Leichnam und wickelte ihn in ein frisches Leinentuch.60Dann legte er Jesus in seine eigene Grabkammer. Die war noch unbenutzt und in den Felsen gehauen. Schließlich rollte er einen großen Stein vor den Eingang zur Grabkammer und ging weg.61Maria aus Magdala und die andere Maria blieben dort und ließen sich gegenüber vom Grab nieder.

III.            Aushalten

Sie blieben dort.
Maria und Maria.
Genauer gesagt:
Maria von Magdala und „die andere Maria“.
Freundinnen, Begleiterinnen, Vertraute.
Jahrelang an der Seite von Jesus.
Eigentlich war es jetzt vorbei.
Wie in einem schlechten Film
haben sie von Weitem
die ganze Szene beobachtet.
Als wären Verurteilung und der Prozess
nicht schlimm genug gewesen:
jetzt wird Jesus auch noch
verspottet und ausgepeitscht.
Vorgeführt. Bespuckt.
Dabei gab es
für einen kurzen Moment
einen Lichtblick.
Es hätte anders kommen können,
aber das Volk wollte Jesus sterben sehen.
Nicht Barrabas.

IV.            Dortbleiben

Sie blieben dort.
Maria und Maria.

Worte brennen sich in ihre Seele
im Chaos rund um Golgatha.
Lästermaul.
König der Juden.
Rette dich selbst.
Gott soll dich doch retten!
Mach doch! Los!

Worte, die gesagt wurden
über ihren Freund.

Unerträgliche Worte.
Hetzworte.

Sie blieben dort.
Maria und Maria.

Und dann
Finsternis.
Ein Schrei.
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Stille.
Erdbeben.
Tod.

Zum Fürchten.
Zum Weglaufen.
Alles.

Sie blieben dort.
Maria und Maria.

Sie blieben,
und sahen hin.
Obwohl sie hätten gehen können.
Sie waren #nur Frauen und
niemand hätte es ihnen übel genommen,
wenn sie zu Hause weitergeheult hätten.
Alleine.
Dort, wo es niemand sieht.
Maria und Maria
blieben.

V.               Moria 2

Zeitreise ins Jahr 2021.

Es ist laut.
Kindergeschrei mischt sich
in das verzweifelte Schluchzen der Mutter.
Es braucht dringend einen Arzt,
das Kind stirbt sonst.
Das Fieber ist hoch.
Die Wunde ist infiziert
und über Nacht hat eine Ratte
Elefs Bein angenagt.
Miriam kann beruhigen.
Aber mehr kann sie nicht tun.
Sie muss mit der verzweifelten Mutter abwarten.
Und zu hoffen.
Dass sie an der Reihe sind,
ehe das Kind stirbt.
Sie ringt um Worte.
Denkt: „Mein Gott, mein Gott…“
Das Bild brennt sich in ihre Seele.
Sie möchte weglaufen
von diesem gottverlassenen Ort.
Camp Moria 2
Aber Miriam bleibt.

 

VI.             Intensivstation

Ortswechsel.

Es ist laut.
Schrilles Piepsen
und schnelle Schritte bedeuten:
Notfall.
Wieder und wieder.
Täglich.
Stündlich.
Beatmungsgeräte kontrollieren.
Umlagern.
Lippen befeuchten.
Medikamente dosieren.
Monitor abschalten.
Augen schließen und Hände falten.

Desinfizieren nicht vergessen.
Angehörige benachrichtigen.
Weiter zum Nächsten.
14 Tage ohne Pause.

„Mein Gott, mein Gott…“
Warum dauert das alles so lange?

Marie seufzt.
Zwischen Maschinen und Menschen.
Zwischen Leben und Tod
bleibt kaum Zeit zum Atmen.
Zwischendurch überlegt sie,
ob sie das alles noch schafft.
Auf Station 22.
Aber Marie bleibt.

 

VII.         Gegenüber vom Grab

Zurück nach Golgatha.

Zu Maria und Maria.
Sie entscheiden sich auch zu bleiben,
als es schon zu spät ist
und die Lage aussichtslos.
Jesus ist tot
und wird in ein Grab gelegt.
Was soll man dann noch tun können?

Maria und Maria bleiben
und lassen sich nieder
gegenüber der Grabkammer.
Sie bieten dem Tod die Stirn.
Schauen ihm in die Augen.

Gegenüber vom Grab
haben sie im Blick, was passiert.
Sie geben die Kontrolle nicht ab.
Wer kann schon sagen,
was jetzt geschieht?

Aber gegenüber vom Grab sitzen und warten -
das muss man erst mal aushalten.

Gegenüber vom Grab
sitzen die,
die noch ein Fünkchen Hoffnung in sich tragen.
Weil Jesus nach 3 Tagen auferstehen wird.
So hat er es gesagt.

Gegenüber vom Grab sitzen die,
die glauben:
Gott kann noch etwas gut machen,
was eigentlich nicht mehr gut werden kann.

Und so setze ich mich zu Maria und Maria.
Auf verloren geglaubten Posten. 
Schaue dem Tod ins Auge.
Biete ihm die Stirn und
nenne beim Namen,
was nicht mehr gutzumachen ist:
 

VIII.      Hoffnung

Infektionszahlen und Inzidenzwerte.
Einsam Sterbende im Pflegeheim und
weinende Söhne und Töchter
beim letzten Zoom mit dem Ipad.

Erschöpftes Pflegepersonal, ratlose Ärztinnen.
Impfchaosmüde und Regierungswütige.
Arbeitslose Messebauer und
insolvente Cafébesitzerinnen.

Kinder und Jugendliche vor den Monitoren.
Und in den Schulhöfen mit Abstand und
ohne die tröstende Schulter der besten Freundin.
Erschöpfte Eltern und verwirrte Kleinkinder.

Ich sitze gegenüber dem Grab
und sehe von dort aus
auf das Mittelmeer.
Nehme nicht schweigend hin,
dass Menschen lieber sterben,
als in der Hölle zu leben.
Erhebe meine Stimme für sie
und all die anderen,
die dem Tod näher sind als dem Leben.

Ich sitze mit Maria und Maria da,
schaue auf das Grab und
sehe meinen eigenen Schmerz,
meine Müdigkeit und
meine eigenen Grenzen des Verstehens.
Die Grenzen meiner Hoffnung.

Ich sitze bei Maria und Maria
und frage:
Warum sind 3 Tage so lang?
Und warum geschieht
das Wunder nicht früher?
Und dann hoffe ich.
Und weine ich.
Und warte ich.
Mit Maria und Maria.
Bis der Engel sagt:

Fürchtet euch nicht!
Amen.   


Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

(EG 98; Jürgen Henkys 1976)






Montag, 8. März 2021

#Spielraum2021: Ein Tag - Ein Wunder

Mirácoli wird 60. Generationen von Student*innen, gestressten Eltern, müden Büroangestellten und kochfaulen Ferienhausurlauber*innen ist der Italienurlaub aus der Pappschachtel für einst 1,85 DM heilig. Und auch wenn sich die Welt weiterdreht: auf Mirácoli ist Verlass. Es schmeckt immer gleich. (Zumindest fast. Einmal wurde die Rezeptur der Kräutermischung geändert. Das gab schlimm Beef für den Konzern.) Nudelwasser brennt nie an. Und die Portionsangaben auf der Packung hatten noch garniemalsnicht etwas mit dem Hunger eines 12jährigen EishockeyMöchtegernWeltmeisters zu tun. Auch darin ist Mirácoli konsequent.

Mirácoli ist ein Wunder. Das sagt schon der Namen. Der ist nämlich eine Ableitung vom italienischen „miracolo“. Und das englische „miracle“ ist uns auch geläufig. Ein Wunder, denn: wenn Spaghetti auf den Tisch kommen, motzt niemand. Ob mit oder ohne Pappschachtel. 

An dieser Stelle frage ich mich: was ist eigentliche das Wundersame daran? Sicher nicht die 08/15-Spaghetti, der Alubeutel mit dem Tomatenmark und das Tütchen mit der Würzmischung. Der Geschmack nach der Zubereitung ist es vermutlich auch nicht. Vielleicht ist es die Geschwindigkeit, mit der ein Essen auf dem Tisch steht – aber auch da gib es Konkurrenz.

Tragen wir das Wunder in uns? Möglicherweise ist das Wunder ein kollektives Bewusstsein für einen kleinsten gemeinsamen Nenner. So wie bei Jesus: Brot und Fisch. Nachzulesen im Neuen Testament, unter anderem hier: Markus 6 - BasisBibel (BB) - die-bibel.de (die-bibel.de). Mirácoli verbindet als eine Art „Speisung der 5000“ Hungrige quer durch die Zeiten – immerhin 60 Jahre - und quer durch Europa. Und immer ist noch eine Packung übrig. Aber vielleicht ist es auch das tiefe Wissen darum, dass sich Menschen, die gemeinsam Essen, nicht die Köpfe einschlagen. So wie beim Propheten Elisa im Alten Testament, nachzulesen hier:
2. Könige 6 - BasisBibel (BB) - die-bibel.de (die-bibel.de)

In diesem Sinne: Mahlzeit! Oder auch: Buon Apetito! 




Dienstag, 23. Februar 2021

#SpielRaum2021: Ein Tag - ein Käffchen




Gott und ich. Am Küchentisch. 

„Eine seltsame Art von Humor hast du.“  
„Warum denkst du das?“
„Sieh die Welt an: überall Chaos.
Verwirrte und verirrte Menschen.
Einsame. Traurige. Kranke. Tote.
Mit oder an oder ohne Corona.
Kaputte Existenzen.
Depressive Kinder.
Überforderte Eltern.
Frustrierte Singles und kaputte Beziehungen.
Dünnhäutige Seelen,
wohin man hört und sieht.“
„Ja, ich weiß.“
„Und ich mit meinem Alltag.
Meine Termine.
Zoom-Calls.
Coaching-Settings.
Und dazwischen
die Oma und das Impfzentrum.
3. Person Plural von Passée Composé – être
und lineare Ungleichungen.
Elternabend digital.
Post von der Krankenkasse.
Keine Milch im Kühlschrank.
Ein verwelkter Tulpenstrauß.
das Klo ungeputzt und
der Tank im Auto leer.“
„Ja, ich weiß.“
„Wenn du das alles weißt:
wieso hast du dir diese Tasse ausgesucht?“
„Weil das hier mein Lieblingsplatz ist.“
„Die Küche ist seit Tagen unaufgeräumt.
Genauso wie mein Schreibtisch.
Meine Seele. Und mein Herz.“
“Ich sag doch: Lieblingsplatz.“
„Ich sag: Blöde verfickte Drecksscheisse.“
„Ich weiß, dass das auf deiner Tasse steht.“
„Die ist Programm.“
„Denkst du.“
„Ja, denke ich.“ 
„Nur falls du es nicht bemerkt hast: 
Trotzdem ging heute die Sonne auf. 
Blühen Schneeglöckchen und Krokusse.
Hat es 18°C und Himbeerkuchen vom Bäcker.
Wolkentiere am Himmel.
Hörst du das Lachen der Hausmeisterin 
und das fröhliche Bellen deines Hundes.
Da ist die Erinnerung von Facebook  
an den wunderbaren Urlaub vor einem Jahr.
Und die Freundschaft mit diesen Menschen
über hunderte Kilometer hinweg.
Da ist das lustige Telefonat mit Josh, 
der ein Einsatzleitungsfahrzeug 
zum 4. Geburtstag bekam und 
der Dank des Kollegen für einen guten Rat.
Da ist Cappuccino auf Knopfdruck.
Ofenkäse, Wein und Bridgerton. 
Und dein Leben.“
„Warum ist das so? 
Warum ist mein Leben dein Lieblingsplatz?“
„Weil ich es erschaffen habe.“ 
„Mit all dem Chaos?“ 
„Das Chaos war schon vorher da. Bevor ich diese Erde geschaffen habe als meinen Lieblingsplatz.“
„Du hast deinen Lieblingsplatz aus dem Chaos geschaffen?“
„Ja. Und ich mach das jeden Tag. Wieder und wieder.“
„Auch bei mir?“
„Fürchte dich nicht. Ich habe ich befreit.
Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir!
Wenn du durch Wasserfluten gehst, bin ich bei dir.
Reißende Ströme spülen dich nicht fort.
Wenn du durchs Feuer gehst, verbrennst du nicht.
Die Flammen können dir nichts anhaben.
Du bist kostbar und wertvoll für mich, und ich habe dich lieb.“ (Jesaja 43)
„Magst du nochmal Kaffee?“
Lieblingskaffee.“  
„Lieblingsgott.“
„Lieblingsmensch“. 


Sonntag, 21. Februar 2021

#SpielRaum2021 - Der Einsamkeit zum Trotze




… Die beste Zeit einen Baum zu pflanzen
war vor 20 Jahren
Steht fett gedruckt in ihrem Manifest
Die beste Zeit einen Baum zu pflanzen,
war vor 20 Jahren
Und die nächstbeste Zeit ist jetzt
Also holt die alten
und die ausgebrannten Liebesmüden
aus den Hütten
Und lasst sie reden in der Glotze
Wir schaffen das nur gemeinsam
Der Einsamkeit zum Trotze…
(Sarah Lesch: Der Einsamkeit zum Trotze)


Die Zeiten sind herausfordernd.
Ausgebrannt und müde – das trifft es an manchen Tagen.
Einsam auch.
Dann in die Zukunft zu denken, und zu wissen:
Gott ist hat das alles im Blick –
das lässt mich einen gedanklichen Apfelbaum pflanzen.
Für all die guten Dinge, die trotzdem wachsen.
Und die mich hoffen lassen, dass trotz allem auch tatsächlich
Gutes und Barmherzigkeit mir folgen
mein Leben lang. (Psalm 23,6)
Der Einsamkeit zum Trotze.

# SpielRaum2021 - Fragen an einen Badezimmerspiegel

Wie findest du deine Aufgabe: Spiegelsein?

Gefällt dir, was du spiegelst? Warum?

Wie fühlt es sich am Morgen an, Spiegel zu sein? Wie am Abend?
Gibt es einen Unterschied?

Sagst du die Wahrheit?
Wirklich – immer?

Wirst du mehr geliebt oder mehr gehasst?

Was unterscheidet dich von der Person, die vor dir steht?

Inwiefern bist du eine Hilfe?

Was hoffst du für dein Gegenüber?


Jetzt sehen wir nur ein rätselhaftes Spiegelbild. Aber dann sehen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke. Aber dann werde ich vollständig erkennen, so wie Gott mich schon jetzt vollständig kennt.     
(1. Korinther 13, 12)