Dienstag, 21. März 2017

Leben.

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge zieh'n.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang,
und ich weiß noch nicht:
bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.

Soweit Rainer Maria Rilke.


Ich sage Dir:


Lebe DU dein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge zieh'n.
Du wirst den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen solltest du ihn.



RINGE.
Iss Apfelringe!
Greif einen Rettungsring!
Trage glitzernde Silberringe
und welche aus Gold und Edelstein.
Zweckentfremde Vorhangringe
für liebevolle Basteleien.
Nimm Gummiringe und schieße damit
kleine Botschaften
aus gefaltetem Papier
auf fremde Tische.
Kauf dir die schönsten Ohrringe.
Bestelle Tintenfischringe
und ein Glas Wein
im Rasthaus am Wege.
Blase Pfeifenqualmringe
in die Luft,
während der Feierabend
hereinkriecht
und sich Ring um Ring vollendet.
Zähle Jahresringe
und beachte
vor allem den letzten,
der den wachsenden Baum ummantelt
und stärkt
und stützt.

Lebe dein Leben
in WACHSENDEN Ringen.
Versuche es zumindest.
Gehe ein bisschen schneller.
Denke ein bisschen weiter.
Fühle ein bisschen überschwänglicher.
Tanze flotter.
Denke verrückter.
Ziehe gewagtere Klamotten an.
Lackier deine Nägel bunt.
Rede, wo du seither schweigst.
Setze Wunder und Einhörner
als selbstverständlich voraus.
Lies ein Buch,
das dich bis gestern

nicht interessiert hat.
Singe lauter.
Im Auto.
Und auch wenn dich jemand hört.
Nimm einen Umweg in Kauf
und pflücke Blumen am Wegrand.
Schenke sie dir selber,
auch wenn es nichts zu Feiern gibt.
Trinke Champagner.
Triff Entscheidungen,
die du bereuen könntest.
Gehe dorthin,

wo dich niemand kennt
Hab Vertrauen
In die Menschen,
die dir begegnen.
Und in das Göttliche.

Kreise um Gott, um den uralten Turm,
kreise jahrtausendelang,
Sei ganz gewiss: sei Falke, sei Sturm
oder ein großer Gesang.


Singe und bete:


Du, Gott,
Ewige,
bist,
die du bist.
Bleibst,
der du warst.
Kreisen
und Wachsen
und Neuwerden
ist Gabe
und Aufgabe.
Ist Leben
für mich.
Alle Tage.
Bis mein Ring
des Lebens
sich schließt.
Gewiss bin ich:
Ich bin
gesegnet
und
frei.


Amen.


(Abschlusswort zur Mitarbeiterversammlung im Kirchenbezirk Nürtingen am 21.03.2017)

Sonntag, 26. Februar 2017

Ho Havn

Es gibt 
Orte
die kennst du
seit Kindertagen.
1985
schlichst du
als Indianerin verkleidet
durch den Wald.
Ungezählt
die Besuche
in der Zwischenzeit.
Durchreisend.
2017
kehrt du zurück
an Fasching.
Ungeschminkt.
Und du erkennst:
ich war nie da.
Heute
Bleibt alles
anders.
Nebel.

Samstag, 17. Dezember 2016

Advent zwischen Gambia, Frickenhausen und Betlehem







Bewohner der Frickenhäuser Gemeinschaftsunterkunft haben im Sprachunterricht ihre Erlebnisse, Wünsche und Gefühle in Worte gefasst.
es sind "Elfchen" entstanden, die, von mir mit der biblischen Weihnachtsgeschichte zu einer Textcollage verwoben, am 17. Dezember beim Lebendigen Adventskalender in der Gemeinschaftsunterkunft vorgetragen wurden.

(Das FETTGEDRUCKTE sind die Elfchen der Jungs)
 

Advent.
Arrival.
Ankunft.
Har dara.
Ka batu.
Aber wo?

Hier oder  dort?
Deutschland oder Gambia?
Bethlehem oder Ägypten?



Advent
wir warten
auf das Weihnachtsfest
wir wünschen friedliches Leben
Gambia

Advent
wir erhoffen
Frieden und Harmonie
wir wünschen Frickenhausen
Fröhliche Weihnachten

Da machte sich auch auf
Josef aus Nazareth,
in das jüdische Land
zur Stadt Davids,
die heißt Bethlehem.
Maria
 gebar dort ihren ersten Sohn
und wickelte ihn in Windeln.
Denn sie hatten keinen Raum in der Herberge.

Advent.
Arrival.
Ankunft.
Har dara.
Ka batu.

A
ber wer?
Frauen, Männer oder Kinder?
Gesunde oder Kranke?
Alte oder Junge?
Reiche oder Arme?

Advent
wir
  warten
auf das Weihnachtsfest
wir wünschen allen Menschen
Frieden

Es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Feld,
die hüteten ihre Schafe.
Der Engel sprach zu ihnen:
Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden
bei den Menschen seines Wohlgefallens.


Advent.
Arrival.
Ankunft.
Har dara.
Ka batu.

Aber warum?
Wohlstand?
Bildung?
Oder einfach nur:
Leben?

Advent
wir warten
auf das Weihnachtsfest
wir erhoffen schönes Leben
Zukunft

Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns,
dass Gott
Jesus gesandt hat in die Welt,
damit wir durch ihn leben.

Advent.
Arrival.
Ankunft.
Har dara.
Ka batu.


Aber wozu?
Was kann ich?
Wer braucht mich?
Was ist meine Aufgabe?

Wünschen
wir warten
auf eine Arbeit
lasst uns dabei sein
gemeinsam

Lasst uns nun gehen nach Bethlehem
und die Geschichte sehen,
die da geschehen ist.
Und sie kamen eilend und fanden beide, dazu das Kind.

Advent.
Arrival.
Ankunft.
Har dara.
Ka batu.

Aber wie?
Gedanken
und Herz
sind weit fort.

Gedanken
nach Hause
an meine Familie
Wie geht es euch?
Vertrauen

Angst
wir leben
auf dieser Welt
mit Angst vor Ungerechtigkeit
Befreiung

Denn ein Kind ist geboren,
der künftige König ist uns geschenkt! Und das sind die Ehrennamen, die ihm gegeben werden: umsichtiger Herrscher, mächtiger Held, ewiger Vater, Friedensfürst.
Seine Macht wird weit reichen und dauerhafter Frieden wird einkehren.

Advent.
Arrival.
Ankunft.
Har dara.
Ka batu.


Aber bei wem?
Bei Freunden?
Bei Fremden?
Bei uns?

Alleine
wir fühlen
Einsamkeit, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit
in der deutschen Gesellschaft
Menschlichkeit!

Warum
die Flucht
Angst, Verfolgung, Folter
ihr nehmt uns auf
Hoffnung

Der Engel Gottes erschien Josef im Traum und sprach:
Steh auf,
nimm das Kind und seine Mutter
und flieh nach Ägypten.
Bleibe dort, bis ich es dir sage.
König Herodes hat vor, das Kind umzubringen.


Advent.
Arrival.
Ankunft.
Har dara.
Ka batu.

Aber wozu?
Alles umsonst?
Abschiebung unvermeidbar?

Entscheidung
kein Grund
alles war umsonst
Gambia ist sicheres Land
Fragen?

                  Als Herodes gestorben war                                    
                  erschien der Engel Josef im Traum.
           
                  
Er sprach: Nimm das Kind            
                 
und seine Mutter und kehre zurück.            
                  
Er aber fürchtete sich.            
                 
Weil der Sohn von Herodes König war.                        

Advent.
Arrival.
Ankunft.
Har dara.
Ka batu.

Aber wann?
Gestern?
Heute?
Morgen?

Advent
Wir warten
auf die Ankunft
ankommen im fremden Land
Zuhause?

Die Füchse haben ihren Bau
und die Vögel ihr Nest;
aber Jesus hat keinen Platz,
wo er sich hinlegen und ausruhen kann.

Advent.
Arrival.
Ankunft.
Har dara.
Ka batu.


Danke
bei euch
sind wir glücklich
die Gastfreundschaft der Menschen
Frickenhausen









Donnerstag, 15. Dezember 2016

Ich steh an deiner Krippen hier...

Familiengottesdienst
mit Krippenspiel der Kinderkirche am 18. 12. 2016
in der Eusebiuskirche Wendlingen am Neckar



Ein Stall.
Darin eine Holzkiste.
So ähnlich wie die
aus’m Baumarkt.
Aber alt.
An den Rändern angeknabbert und abgenagt.
Mit Heu und Stroh drin.
Und Baby.
Es riecht nach Pferd.

Oder Kuh.
Vielleicht ist es auch Windel.
Von den Balken hängen Spinnweben.
Wenn man zu groß ist kleben sie im Haar.
Und glitzern ein bisschen,
als wärs vom Engel.

Der ist im übrigen auch da.
So wie die anderen.
Die Suchenden und Findenden.
Könige, Rabbi, Soldaten, Hannah und Hirten.
Menschen.
Du und ich.
Wir stehen an der Krippe.
Spinnweben glitzern im Engelshaar.
Wir erzählen uns
Geschichten.
Unsere eigenen
Geschichten.
Von Freude und Schmerz.

Wir hören einander zu.
Und teilen,
was wir gehört und gesehen haben.
Teilen Frieden auf Erden.
Der Engel hat ihn verkündet.

Und das Kind hört zu
wie wir unsere Sorgen sagen.
Stotternd und stammelnd.
Und unsere Wünsche,
sagen wir auch.
Denn wünschen darf man
mit leuchtenden Augen,
als wäre es Weihnachten:

Einen Freund oder zwei gegen die Einsamkeit.
Brot und Wurst, weil man Hunger hat.
Engelshaar, damit man hübsch ist und
etwas gegen Halsschmerzen.

Einen Engel
für Meria in Aleppo und einen
für Abdul in Wendlingen.
Das wär doch was.

Einen Gefährten
für Christina, sie ist einsam.
Und Lilly, die hat Angst.
Vor dem einen Typen ganz speziell
und vor allen anderen auch.
Die soll weg, die Angst.
Der Engel mit den Glitzerhaaren
darf aber bleiben.

Angelika schafft ihren Job nicht mehr.
Und Markus macht sich Sorgen
weil die Tochter
sich zu Hause nicht mehr blicken lässt.

Alle sind da.
Teilen Freude
und Schmerz.
Und Wünsche.
Brot und Wurst
und Schnaps auch.
Teilen gute Worte und
böse Briefe.
Teilen Kaffee, Musik
und die Angst vor dem Morgen.
Und wir teilen Worte des Lebens.
Auch Worte zum Sterben
und das Licht.

Wir stehen an der Krippe.
Der Engel zwischen uns
und die Spinne seilt sich vom Balken ab.

Ich bin auch da.

Teile und Wünsche.
Das Kind lächelt.
Für einen Moment
ist Frieden
auf Erden.
Amen.



Mittwoch, 7. Dezember 2016

Eiszeit



Wenn
Frost und Eis
Stille und Dunkelheit
sich auf die Welt
und
auf die Seele
legen
dann sei gewiss:
es tagt
Noch ehe
Dunkelheit vergeht
und
Eis schmilzt
flüstert
das Licht
vom Frieden
Und siehe
es wärmt

Sonntag, 13. November 2016

Gemeinschaft der Unheiligen


Da sitzen wir.
Am runden Tisch.
In der Mitte eine Rose.
Sie duftet noch ein bisschen nach Sommer.
Ein paar Gläser mit Saft.
Wein.
Ein paar Brocken Brot.
Wir sitzen zusammen.
Und gehören zusammen.
Und spüren einander.
Fühlen Freude und Schmerz.
Eigenen und den der anderen.
Gemeinschaft der Unheiligen.
Eine Wolke voller Menschen.
Bunt wie das Leben.

Da sitzen wir.
Einer von uns:
Der kluge Kopf.
Der "IchhabsimKopfundweißBescheidtyp.
Mit Bart und Schlaumeierbrille.
Man findet ihn manchmal gewöhnungbedürftig,
aber wenn man was wissen muss,
ist auf ihn Verlass.

Da sitzen wir.
Eine von uns:
Die Frau unter der Haube.
Seit vielen Jahren verheiratet
und Mutter von 2 Kindern.
Sie ist oft müde.
Aber der Kuchen, den sie backt,
der schmeckt göttlich.

Da sitzen wir.
Einer von uns:
Ein Mann mit dunkler Haut
im Sträflingshemd.
Die Hand verwundet.
Wohl mal zu heftig was geregelt.
Ey Gangster, bisch du krass, man.
Aber wie du tanzt musst du uns zeigen!

Da sitzen wir.
Einer von uns:
Ein frommer Jude.
Mit Gebetsschal.
Er weiß, wie man Gott gefällt.
Und wie man lebt, dass man den Himmel sicher hat.
Dabei übertreibt er echt ein bisschen.
Aber er kann so viele Geschichten von Gott erzählen,
dass es mit ihm nie langweilig wird.

Da sitzen wir.
Eine von uns:
Im roten Kleid mit tiefem Ausschnitt
weiß sie, wie man bei Männern ankommt.
Sie kann damit leben,
dass die Leute reden.
Sie muss damit leben, weil sie davon lebt.
Hier darf sie sein,
weil man ihr Lachen mag. Und ihre Witze. 
Und Geld spielt keine Rolle.

Da sitzen wir.
Eine von uns:
Alt und zerfurcht ist ihr Gesicht,
das sie verbirgt unter ihrem blauen Tuch.
Sie hat ihr Leben gelebt und ist fertig damit.
Aber so lange sie noch kann
hört sie zu
und tröstet bei Liebeskummer
und weiß, dass Kamille bei Magenschmerzen hilft.

Da sitze ich.
Mitten
in der Gemeinschaft der Unheiligen.
Einer von ihnen bin ich.

Wer bin ich?
Der mit der Macke
oder die mit  dem großen Talent?
Wer bin ich?
Horrorclown oder Spaßvogel?
Himmelsstürmer oder Höllenbraut?
Wer mag bewerten
was ich bin
und wer ich bin
und wie ich bin
hinter meiner Maske?

Da sitze ich.
In der Gemeinschaft der Unheiligen
mit Jesus in der Mitte.
Er sitzt mir gegenüber
mit unheiligen Wunden
an den Händen.
Mit denen er das Brot bricht
und den Wein teilt.

"Bis ich wiederkomme
tut das zu meinem Gedächtnis."
Und wir teilen.
Mit Jesus
und miteinander.
So werden wir ganz
und richtig
und wertvoll -
wir Unheilgen.
Werden eins mit Jesus.
Verwundet und Auferstanden.
Vielfältig und Bunt.
Und Heilig.

Montag, 31. Oktober 2016

Luther - der Film

Predigt zum Film
LUTHER
Reformationsfest 2015
in der Eusebiuskirche
Wendlingen am Neckar


Vorlaut I
"Versuch dein vorlautes Maul zu halten!"
Väterlicher Rat
an ein "versoffenes, kleines, deutsches Mönchlein".
"Versuch dein vorlautes Maul zu halten!"
Als hätte er geahnt,
dass ein Spaziergang anders aussieht.
Als hätte er geahnt,
dass dieses Mönchlein,
sein Sohn,
sich nicht zurückhalten kann.
Wichtige Worte
wird er
zur richtigen Zeit
von sich geben.
Predigen.
Lehren.
An die Kirchentür nageln.
Wahre Worte.
ZU wahr
für die damalige Zeit.
Wahre Worte,
die nicht auszuhalten waren
für Mächtige
und Wichtige.
Worte,
die nicht auszuhalten sind.
Heute noch.
Weil sie hinterfragen
was Menschen denken
und tun.
Weil sie nicht stehen lassen,
was  Machtapparate
und Diktatoren
und ihr Gefolge
mit denen tun,
die angewiesen sind
auf Barmherzigkeit
und Gnade
und Liebe:
Menschen.
Selig sind, die da geistlich arm sind;
denn ihrer ist das Himmelreich


Gekaufter Himmel
Seelenmarkt in Jüterborg.
Buntes Treiben.
Brennende Reden.
Höllenlärm.
Loderndes Feuer der Verzweiflung.
Teuflische Fratzen nähren die Angst.
Der Tod so nah wie das Leben.
Verkaufte Seelen
hoffen auf gekauften Himmel.
Wenn das Geld im Kasten klingt,
die Seele aus dem Feuer springt.
Marktschreier Johann Tetzel
sorgt für seine Kirche
und ihre Seelen.
Für Tote und Lebendige
Für Große und Kleine
Für Kranke und Gesunde:
Den Himmel gibt es für niemanden umsonst.
Seelenmarkt damals und heute.
Käuflich sind alle.
Selig sind, die da Leid tragen;
denn sie sollen getröstet werden.
Himmel für alle
Ein bisschen Himmel braucht jeder.
Und ein bisschen Frieden
und ein bisschen Freude.
Und Wärme auch.
Und die Gewissheit,
Dass einmal alles gut ausgehen wird.
Mit dem Leben
und mit dem Tod
und mit dem, was dazwischen ist.
Wie sonst ist das Leben auszuhalten?
Ein bisschen Himmel braucht jeder.
Und alle sind auf dem Weg dorthin.
Himmelwärts.
Und anfällig für Himmelkram
sind wir auch.
Damals wie heute
ist die Sehnsucht gleich.
Sehnsucht nach Sicherheit.
Und Himmel.
Und Leben.
Selig sind die Sanftmütigen;
denn sie werden das Erdreich besitzen.


Sicher ist sicher!
Namen.
Und klingende Münzen.
Hannes Bauer.
Philipp Lerchenberg.
Maria Katharina Molnar.
Grete, Tochter.
Matthias Berlepsch.
Freigekaufte Menschen,
dem Himmel so nah.
Den letzten Groschen
investiert in das ewige Heil.
Nichts mehr zu Essen für das Kind.
Aber Gewissheit, dass es zu Jesus laufen kann.
Gekaufter Himmel beruhigt das Herz.
Bereinigt das Gewissen.
Lässt ruhig schlafen und
verhindert Angst vor dem, was kommt.
Gekaufter Himmel füllt Kassen und
füttert Systeme der Macht.
Spenden lassen ruhig schlafen
und optimieren den Steuerbescheid.
 Geld macht zwar nicht glücklich,
aber es beruhigt die Nerven.
Selig sind, die da hungert und dürstet
nach der Gerechtigkeit;
denn sie sollen satt werden.
Leben um zu sterben
Nimm die Sache in die Hand!
Schau, dass dein Name dabei ist,
wenn die Freibriefe verteilt werden!
Kümmere dich darum,
dass dein Leben rund läuft.
Und dein Sterben auch.
Sichere dich ab
für alle Eventualitäten!
Mach den Versicherungscheck
und buche
den Schutzbrief gleich mit.
Kümmere dich
um deine Rentenlücke und
um die Ausbildungsversicherung
deiner Enkel.
Kauf das Auto
mit dem sichersten Airbag,
damit du die Kreuzfahrt
anno 2029 nicht verpasst.
Und lass deine Komfortzonen
nicht in Frage stellen.
Im Zweifelsfall: setze dich durch,
sonst verpasst du das Leben.
Du hast nur dieses Eine und
am Ende bist du tot.
Selig sind die Barmherzigen;
denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.


Sichtwechsel
95 neue Perspektiven -
weg von Geld
und Berechenbarkeit
und Macht.
95 neue Perspektiven,
die ins Licht rücken
was im Dunkel des Mittelalters
und im Dunkel der Macht
und im Dunkel der Menschheit
erstarb.
95 neue Perspektiven,
die auf den einen - Christus - deuten
und zeigen
wo der Himmel aufreißt
und die Seele
ihren Schmerz
vergisst.
Glaube, Liebe und Hoffnung
statt Geld, Hass und Verzweiflung.
Sichtwechsel.
Den Blick weg vom Begrenzten,
hin zum Ewigen.
Selig sind, die reinen Herzens sind;
denn sie werden Gott schauen


Reformation
Himmel war schon damals
und Himmel
ist schon heute.
Ganz ohne Marketing und Klimbim
ist Christus da
und zeigt sich unter uns.
Wo Menschen füreinander da sind,
wo Liebe und Zuwendung,
Mitgefühl und Verantwortung
keine Fremdwörter sind.
Wo der Ewige nicht begrenzt wird
auf das Geschäft mit der Ewigkeit,
und die Ewigkeit
nicht reduziert wird
auf den Tod,
da wächst leise
etwas,
das höher ist all unsere Vernunft
und unser Denken
und unser Wissen.
Frieden auf Erden.
Im Diesseits
erleben wir
dass unser Glaube trägt.
Selig sind die Friedfertigen;
denn sie werden Gottes Kinder heißen

Vorlaut II
"Versuch dein vorlautes Maul zu halten!"
Väterlicher Rat
an ein "versoffenes, kleines, deutsches Mönchlein".
"Versuch dein vorlautes Maul zu halten!"
Väterlicher Rat an den,
von dem wir 500 Jahre später
immer noch sprechen.


Was wäre,
wenn er,
respektvoll und
die väterliche Autorität ehrend,
den Rat befolgt hätte?
Was wäre,
wenn das
kleine deutsche Mönchlein
sich schweigend
im Schutz des Klosters
in die Stille
verkrochen hätte?
Was wäre,
wenn 95 Thesen
nie geschrieben worden wären?

Was wäre dann?

Was wäre, wenn Christen
wie du und ich
das vorlaute Maul
auch nicht halten
und nicht hoffen
auf bessere Zeiten
und einen anderen,
der für uns das Wort ergreift?


Was wäre,
wenn wir wären
wie Bruder Martin?


Was wäre,
wenn....
Selig sind,
die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden;
denn ihrer ist das Himmelreich.
Amen.