Freitag, 28. April 2017

Trauer und Hoffnung





(Piano)
Nur Gott weiß, was sich in diesen schwachen und
taumelnden Herzen verbirgt.
Ich schätze mal, dass du die Mädels geküsst
und sie zum Weinen gebracht hast -
all diese Unglücksköniginnen
mit ihren versteinerten Gesichtern.


Nur Gott weiß, was sich in deren schwachen
und tiefliegenden Augen verbirgt,
eine feurige Schar verstummter Engel,
deren Liebe unerwidert bleibt.


Nur Gott weiß.
Gott.
Allwissend und Geheimnisvoll.
Kennt zerbrochene Herzen
und
sammelt Tränen
wie Edelsteine.
Hütet die Liebe.
Beschützt das Schwache.
Tröstet die Traurigen.
Ermutigt die Zweifelnden.
Bewahrt die Suchenden.

Nur Gott weiß
wo Zweifel
und Fragen
an der Seele nagen:
nichts fühlen kann man.
Nichts sehen kann man.
Nur glauben.
Und hoffen.

Glauben
dass da etwas ist
hinter dem
was für die Welt
und dich
und mich
erkennbar ist.

Hoffen
dass es nicht vorbei ist
mit dieser Welt
und dir
und mir
wenn etwas zu Ende geht.

Glauben und hoffen.
Hoffen und glauben.
Und nachfragen
bei Jesus.


Noch eine kleine Weile,
dann werdet ihr mich nicht mehr sehen;
und abermals eine kleine Weile,
dann werdet ihr mich sehen.
Da sprachen einige seiner Jünger untereinander:
Was bedeutet das?


(Piano)
Menschen, helft euch gegenseitig
und wenn du Heimweh hast,
gib mir deine Hand, ich halte sie fest.

Menschen, helft euch
dann wird euch nichts unterkriegen.


Heimweh.
Die Seele schmerzt
und sehnt sich nach Himmel.
Dorthin, wo es schön ist.
Wo man füreinander da ist
und keiner die Einsamkeit
aushalten muss.
Wo man aufeinander achtet.
Wo Worte nicht verletzen
und Blicke nicht herabwürdigen.
Heimweh nach dort, wo Gott wohnt.
Wo er sein Haus unter uns baut.
Wo er den Himmel auf Erden schenkt.
Heimat.
Etwas, das bleibt -
und morgen nicht schon wieder anders ist.
Einen Ort zum Zuhause sein
und Wurzeln schlagen.
Wo Herzensdinge sicher sind.
Wo Freunde warten
und Jesus,
der spricht:


Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:
Ihr habt nun Traurigkeit;  
aber ich will euch wiedersehen,
und euer Herz soll sich freuen,
und eure Freude soll niemand von euch nehmen.

(Piano)
Hätte ich Verstand,
wäre ich kalt wie ein Stein und reich wie der Narr,
der all die Guten zurückgewiesen hat.

Nur Gott weiß, was sich in dieser Welt verbirgt,
in der wir kaum für etwas grade stehen müssen.
Was sich hinter den Tränen verbirgt, inmitten der Lügen:
in den tausend langsamen Sonnenuntergängen.


Gott weiß
um Kaltes
und Närrisches.
und Tränen.
und Lügen.
Um Sonnen - und Weltuntergänge.
Um verpasste Chancen und
vergessene Versprechen.

Er weiß um alles.
Und setzt sich trotzdem an den Tisch
mit Narren und Steinen.
Mit denen von den Hecken und Zäunen,
und von der Landstraße.
Mit denen, die übers Mittelmeer kamen
und denen, die schon da waren.
Mit denen, die sich Heldenhaft und
mit einem großen Glauben
ins Rampenlicht setzen
und
mit dem Verräter.

Er sitzt an den Tisch
mit euch Konfis,
die ihr euch neu und unsicher fühlt
wie Anfänger
im Leben und im Glauben.
Und er sitzt an den Tisch
mit denen,
die seit langem aus- und eingehen
in Gottes Wohnzimmer
und deshalb wissen,
wo das Brot im Kasten liegt und
der Wein im Keller.

Nehmt und esst vom Brot des Lebens.
Nehmt und trinkt vom Kelch des Heils.


(Piano)
Nur Gott weiß, was sich in diesen schwachen und trunkenen Herzen verbirgt.
Stell dir vor, die Einsamkeit würde sich einschleichen,
dann denk dran: niemand MUSS allein sein - rette mich!
Menschen helft euch gegenseitig
und wenn Du Heimweh hast,
gib mir deine Hand, ich halte sie fest.

Der Tisch ist groß genug für alle.
Und ist Heimat.
Für alle,
die im täglichen
Sonnenuntergang ihres Lebens
stranden
und ihren Weg irgendwohin weitergehen.
Und wieder hierher zurückfinden.
Oder an einen anderen Tisch
an anderem Ort
mit Brot und Wein.

Und Jesus,
ist hier
und dort
und streckt die Hand aus
und spricht:

Das habe ich mit euch geredet
damit ihr Frieden habt.
In der Welt habt ihr Angst;
aber seid getrost,
ich habe die Welt überwunden.

Amen
(Predigt zu Johannes 16 anlässlich des Konfi-Abendmahls 2016 in der Wendlinger Eusebiuskirche)

Sonntag, 2. April 2017

Lernen fürs Leben: Abraham.


I. Geschichten

Nach diesen Geschichten prüfte Gott Abraham
und sprach zu ihm: Abraham!
Und er antwortete: Hier bin ich.


Nach diesen Geschichten
prüfte Gott Abraham.

Nach diesen Geschichten,
die das Leben schrieb.

Abraham, hast du deine Lektion gelernt?

Du hast neu angefangen im fremden Land.
Mut brauchtest du,
aber Sara war ja mit dabei.
„Wir werden das schaffen.“
Und ihr schafftet den Anfang.

Abraham, hast du daraus gelernt?

Zuerst hat es sich noch gut angefühlt.
Aber dann bleibt der ersehnte Nachwuchs aus.
Emotionales und soziales Ende.
Die Leute reden.
Geben Tipps.
Ihr sucht nach Schuld bei euch.
Fühlt euch als Versagerin und Versager.


Und mittendrin:
Segensversprechungen.
Der Biologie zum Trotz.
„Ich will dich zum großen Volk machen
und du sollst ein Segen sein“.
 

Abraham, hast du daraus etwas gelernt?

Hungersnot und Flucht
habt ihr kennengelernt.
Bis nach Ägypten habt ihr euch durchgeschlagen.
Sicher fühltet ihr euch dort nicht.
Schmierengeschäfte mit dem Pharao
waren ein leidiger Versuch,
deine Haut zu retten.
Sara als deine Schwester ausgegeben:
was hast du dir dabei eigentlich gedacht?
Immerhin hat es dir materiell nicht geschadet.
Reich warst du, als du von dort zurück kamst.
So reich, dass das Zusammenleben mit
deiner Verwandtschaft nicht mehr möglich war.
Bruch mit der Familie
und Teilung der Sippe waren die Konsequenz.

Abraham, hast du das alles vergessen?


Und immer wieder:
Segen. Und Versprechen.
Aber kein Kind.
Keinen Sohn.
Was ist denn mit diesem Versprechen?
„Sieh gen Himmel und
zähle die Sterne:
Kannst du sie zählen?
So zahlreich sollen deine Nachkommen sein!“
Wieviel ist Gottes Versprechen wert?

Weißt du darauf eine Antwort, Abraham?

Du hast deinem Schicksal nachgeholfen.
Hagar war auch eine Frau,
mit der man einen Sohn zeugen kann.
Du hast diese Chance nicht ungenutzt gelassen.
Irgendwann muss doch Wirklichkeit werden
was Gott dir versprochen hat.
Endlich.
Das Glück hat einen Namen: Ismael.
Und alles ist gut.
Für den Moment.
Ab und zu hast du Zweifel,
ob das alles richtig war so.

Abraham, was hast du daraus gelernt?

Hart verhandelt hast du mit Gott.
Sodom und Gomorra
dürfen nicht vernichtet werden.
Du hast nicht locker gelassen.
Schließlich ging es um deinen Neffen Lot.
Gott lässt lange mit sich reden.
Und doch ist es passiert:
Gott hat dich zurück gelassen
und schweigt.
Das hoffnungslose Bild
zerstörter Städte
brannte sich in deine Seele.
Es schmerzt,
auch wenn du Lot
aus der Hölle heraus gehandelt hast.

Abraham, weißt du das noch?

Nach diesen Geschichten
prüfte Gott Abraham.
Abraham, hast du aus all dem gelernt?



II. Wunder

Wie durch ein Wunder
ist es passiert.
Damit gerechnet hast du nicht mehr.
Isaak wird geboren.
Sohn der Verheißung.
Eltern seid ihr geworden.
Im Alter.
Dann, wenn man sich eigentlich                               
vom Leben langsam verabschiedet.
Anfangs war es pures Glück.
Aber dann immer wieder diese Gedanken:
Zwei Söhne sind einer zuviel.
Einer zuviel für diese Verheißung.


Nein… es hat bestimmt alles so sein sollen.
Aber man macht sich halt Gedanken.
Verständlicherweise.

Du hast viel erlebt, Abraham.
Mit Gott und den Menschen.

Aber hast du daraus gelernt?

Als Sara deinen ersten  Sohn
mit seiner Mutter Hagar
in die Wüste schickte:
verbuchtest das auch einfach
unter Lebenserfahrung?
Hast du keinen Moment gezweifelt?
Versucht, mit Gott zu handeln?
Ismael war, nein IST dein Sohn!
Ach nein… da ist ja noch Isaak.


III. Isaak

Und Gott sprach: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde.

Isaak.
Sohn.
Geliebter.
Dein Stolz
aus Fleisch und Blut.
Noch nicht lange
ist es her,
dass er zum ersten Mal
Papa gesagt hat.
Die ersten Schritte
im Sand der Wüste:


Drei hat er geschafft.
Dann ist er wieder
auf dem Hintern gesessen.
Als er zum ersten Mal
die Schafe zum Tränken getrieben hat
mit kaum 4 Jahren
ist er am Ende selbst im Brunnen gelegen
und hat gequietscht vor Freude!

Dein ganzer Stolz ist Isaak!
Menschgewordener Segen.



Und jetzt?
Was will Gott von dir?
Deinen Sohn?
Diesen einen, von ihm Versprochenen?

Das darf doch nicht wahr sein!
Ismael hast du weggeschickt -
und ihn willst du opfern?
Umbringen?
Ermorden?



IV. Weg

Da stand Abraham früh am Morgen auf und gürtete seinen Esel und nahm mit sich zwei Knechte und seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf und ging hin an den Ort, von dem ihm Gott gesagt hatte.

Abraham, weißt du, was du tust?
Was willst du deinem Gott beweisen?
Du machst dich also tatsächlich auf den Weg.
Offensichtlich bist du davon überzeugt,
dass du diese Sache zu Ende bringen musst.
Alternativlos.



V. Bergauf

Am dritten Tage hob Abraham seine Augen auf und sah die Stätte von ferne und sprach zu seinen Knechten: Bleibt ihr hier mit dem Esel. Ich und der Knabe wollen dorthin gehen, und wenn wir angebetet haben, wollen wir wieder zu euch kommen. Und Abraham nahm das Holz zum Brandopfer und legte es auf seinen Sohn Isaak. Er aber nahm das Feuer und das Messer in seine Hand; und gingen die beiden miteinander. Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham: Mein Vater! Abraham antwortete: Hier bin ich, mein Sohn. Und er sprach: Siehe, hier ist Feuer und Holz; wo ist aber das Schaf zum Brandopfer? Abraham antwortete: Mein Sohn, Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer. Und gingen die beiden miteinander.

Abraham, was hast du Isaak eigentlich gesagt?
Was war für ihn das Ziel der Reise?
Drei Tage wart ihr zusammen unterwegs.
 
Was redet man da so?
Männergespräche?
Isaak stellt Fragen.
Fühlt dir auf den Zahn.
Es ist doch auch nicht logisch:
ein Brandopfer ohne Tier.
Aber du weichst aus.
Faselst etwas von Schaf und Gott.
Oder hast du etwa geglaubt,
was du da sagst?
Und hat Isaak dir geglaubt?
Ihm die Wahrheit zu sagen,
hast du nicht übers Herz gebracht.




VI. Altar

Und als sie an die Stätte kamen, die ihm Gott gesagt hatte, baute Abraham dort einen Altar und legte das Holz darauf und band seinen Sohn Isaak, legte ihn auf den Altar oben auf das Holz und reckte seine Hand aus und fasste das Messer, dass er seinen Sohn schlachtete.

Abraham, du tust es,
nicht wahr?
Eine andere Option hast du nicht mehr.
Dieser Gott, hat ihn dir gegeben,
er hat auch das Recht,
ihn wieder zu nehmen.
Diesen deinen Sohn.
Davon bist du überzeugt.
Trauer, Wut und Enttäuschung
hast du hinunter geschluckt.
Schritt für Schritt weggeatmet
auf dem langen Weg
nach oben zum Altar.
Der Schmerz, der dich innerlich zerreisst
schreit lauter als die Hoffnung
dass Gott gnädig ist.
Dass er keine Menschenopfer will,
so wie die Heiden.
Könntest du anders reagieren?
Ist blinder Gehorsam
die einzige Möglichkeit,
das Richtige zu tun?


Du opferst doch mit deinem Sohn
alle gelernten Lektionen
deines langen Lebens!
Du opferst Gottes Versprechen,
dich zu segnen!
Du opferst auch die Gewissheit,
vor Gott gerecht zu sein.
Gerecht zu sein,
auch ohne alles richtig zu machen.
Bist du dir sicher, dass du das alles
mit Isaak opfern willst?


Da rief ihn der Engel des HERRN vom Himmel und sprach: Abraham! Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. Er sprach: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts;
denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen. Da hob Abraham seine Augen auf und sah einen Widder hinter sich in der Hecke mit seinen Hörnern hängen und ging hin und nahm den Widder und opferte ihn zum Brandopfer an seines Sohnes statt.


Uff.
Das ist jetzt gerade nochmal gut gegangen.
Gerade noch rechtzeitig
hast du dich umgesehen.
Vielleicht hast du auch
seinen Blick nicht mehr ertragen,
wie er da liegt,
gefesselt und festgezurrt
auf dem Steinhaufen.
Mit aufgerissenen Augen,
starr vor Schrecken.
Engel waren da,
die deinen Sohn
beschützt haben.


Vor dir selber.
Vor deiner eigenen Radikalität
und dem Irrtum,
dass es nur die eine Lösung gibt.
Wie zufällig
blöckt ein Widder im Gebüsch.
Und du kannst deinen Sohn
freigeben.
Du kannst ihn freigeben
ohne vor deinem Gott
das Gesicht zu verlieren.
 
Man hört den Stein

von deinem Herzen rumpeln.

Und jetzt ist es
wie in einem anderen Film.
Die Gedanken gehen durcheinander.
Alles ist,
als ob es gerade jetzt erst geschehen wäre.
Du erinnerst dich daran,
dass Freude und Schmerz,
Wut, Hoffnung und Enttäuschung
zum Leben dazugehören.


Du hast Bilder im Herzen von eurem
ersten mutigen Auswandern und
spürst die Aufregung als Kribbeln im Magen.
Ihr wart nicht mehr die jüngsten,
Sara und du.
Aber ihr wart voller Vertrauen,
dass Gott euch einen guten Weg führt.


Dir fällt ein,
wie du mit Gott verhandelt hast.
In Sodom und Gomorra.
Und Lot hat überlebt.
Du kannst ihm sonst
nicht mehr viel helfen,
seit sich eure Sippen getrennt haben.
Aber du hast ihm das Leben gerettet,
weil Gott dir zugehört hat.


Du denkst an Ismael
und die Gedanken werden schwer.
Dein Magen fühlt sich flau an
und die Knie zittern.
Du empfindest Schmerz darüber,
dass du Ismael für immer verloren hast.
Er war nicht der von Gott verheißene Sohn.
Aber er war dein Sohn,
den du immer noch liebst.

Du erinnerst dich,
an das Versprechen Gottes,
ein großes Volk aus dir zu machen
und schaust Isaak dabei an.
Mit zerzaustem Haar sitzt er
auf einem Felsen und starrt zum Horizont.
Mitgenommen sieht er aus.
 
Du empfindest unbändige Liebe
für diesen Sohn,
der zu dir und Sara gehört.
Und du dankst Gott,
dass du ihn
nicht opfern musst.
Auch nicht all das andere,
was dein Leben wertvoll macht.


Du atmest durch.
Du blickst zum Himmel
und bist dankbar.
Jetzt, Abraham,
hast du die Prüfung bestanden.
   
Amen.


(Predigt zu Gen 22 in der Stephanuskirche im Roßdorf am 02. April 2017)

Dienstag, 21. März 2017

Leben.

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge zieh'n.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang,
und ich weiß noch nicht:
bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.

Soweit Rainer Maria Rilke.


Ich sage Dir:


Lebe DU dein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge zieh'n.
Du wirst den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen solltest du ihn.



RINGE.
Iss Apfelringe!
Greif einen Rettungsring!
Trage glitzernde Silberringe
und welche aus Gold und Edelstein.
Zweckentfremde Vorhangringe
für liebevolle Basteleien.
Nimm Gummiringe und schieße damit
kleine Botschaften
aus gefaltetem Papier
auf fremde Tische.
Kauf dir die schönsten Ohrringe.
Bestelle Tintenfischringe
und ein Glas Wein
im Rasthaus am Wege.
Blase Pfeifenqualmringe
in die Luft,
während der Feierabend
hereinkriecht
und sich Ring um Ring vollendet.
Zähle Jahresringe
und beachte
vor allem den letzten,
der den wachsenden Baum ummantelt
und stärkt
und stützt.

Lebe dein Leben
in WACHSENDEN Ringen.
Versuche es zumindest.
Gehe ein bisschen schneller.
Denke ein bisschen weiter.
Fühle ein bisschen überschwänglicher.
Tanze flotter.
Denke verrückter.
Ziehe gewagtere Klamotten an.
Lackier deine Nägel bunt.
Rede, wo du seither schweigst.
Setze Wunder und Einhörner
als selbstverständlich voraus.
Lies ein Buch,
das dich bis gestern

nicht interessiert hat.
Singe lauter.
Im Auto.
Und auch wenn dich jemand hört.
Nimm einen Umweg in Kauf
und pflücke Blumen am Wegrand.
Schenke sie dir selber,
auch wenn es nichts zu Feiern gibt.
Trinke Champagner.
Triff Entscheidungen,
die du bereuen könntest.
Gehe dorthin,

wo dich niemand kennt
Hab Vertrauen
In die Menschen,
die dir begegnen.
Und in das Göttliche.

Kreise um Gott, um den uralten Turm,
kreise jahrtausendelang,
Sei ganz gewiss: sei Falke, sei Sturm
oder ein großer Gesang.


Singe und bete:


Du, Gott,
Ewige,
bist,
die du bist.
Bleibst,
der du warst.
Kreisen
und Wachsen
und Neuwerden
ist Gabe
und Aufgabe.
Ist Leben
für mich.
Alle Tage.
Bis mein Ring
des Lebens
sich schließt.
Gewiss bin ich:
Ich bin
gesegnet
und
frei.


Amen.


(Abschlusswort zur Mitarbeiterversammlung im Kirchenbezirk Nürtingen am 21.03.2017)

Sonntag, 26. Februar 2017

Ho Havn

Es gibt 
Orte
die kennst du
seit Kindertagen.
1985
schlichst du
als Indianerin verkleidet
durch den Wald.
Ungezählt
die Besuche
in der Zwischenzeit.
Durchreisend.
2017
kehrt du zurück
an Fasching.
Ungeschminkt.
Und du erkennst:
ich war nie da.
Heute
Bleibt alles
anders.
Nebel.

Samstag, 17. Dezember 2016

Advent zwischen Gambia, Frickenhausen und Betlehem







Bewohner der Frickenhäuser Gemeinschaftsunterkunft haben im Sprachunterricht ihre Erlebnisse, Wünsche und Gefühle in Worte gefasst.
es sind "Elfchen" entstanden, die, von mir mit der biblischen Weihnachtsgeschichte zu einer Textcollage verwoben, am 17. Dezember beim Lebendigen Adventskalender in der Gemeinschaftsunterkunft vorgetragen wurden.

(Das FETTGEDRUCKTE sind die Elfchen der Jungs)
 

Advent.
Arrival.
Ankunft.
Har dara.
Ka batu.
Aber wo?

Hier oder  dort?
Deutschland oder Gambia?
Bethlehem oder Ägypten?



Advent
wir warten
auf das Weihnachtsfest
wir wünschen friedliches Leben
Gambia

Advent
wir erhoffen
Frieden und Harmonie
wir wünschen Frickenhausen
Fröhliche Weihnachten

Da machte sich auch auf
Josef aus Nazareth,
in das jüdische Land
zur Stadt Davids,
die heißt Bethlehem.
Maria
 gebar dort ihren ersten Sohn
und wickelte ihn in Windeln.
Denn sie hatten keinen Raum in der Herberge.

Advent.
Arrival.
Ankunft.
Har dara.
Ka batu.

A
ber wer?
Frauen, Männer oder Kinder?
Gesunde oder Kranke?
Alte oder Junge?
Reiche oder Arme?

Advent
wir
  warten
auf das Weihnachtsfest
wir wünschen allen Menschen
Frieden

Es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Feld,
die hüteten ihre Schafe.
Der Engel sprach zu ihnen:
Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden
bei den Menschen seines Wohlgefallens.


Advent.
Arrival.
Ankunft.
Har dara.
Ka batu.

Aber warum?
Wohlstand?
Bildung?
Oder einfach nur:
Leben?

Advent
wir warten
auf das Weihnachtsfest
wir erhoffen schönes Leben
Zukunft

Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns,
dass Gott
Jesus gesandt hat in die Welt,
damit wir durch ihn leben.

Advent.
Arrival.
Ankunft.
Har dara.
Ka batu.


Aber wozu?
Was kann ich?
Wer braucht mich?
Was ist meine Aufgabe?

Wünschen
wir warten
auf eine Arbeit
lasst uns dabei sein
gemeinsam

Lasst uns nun gehen nach Bethlehem
und die Geschichte sehen,
die da geschehen ist.
Und sie kamen eilend und fanden beide, dazu das Kind.

Advent.
Arrival.
Ankunft.
Har dara.
Ka batu.

Aber wie?
Gedanken
und Herz
sind weit fort.

Gedanken
nach Hause
an meine Familie
Wie geht es euch?
Vertrauen

Angst
wir leben
auf dieser Welt
mit Angst vor Ungerechtigkeit
Befreiung

Denn ein Kind ist geboren,
der künftige König ist uns geschenkt! Und das sind die Ehrennamen, die ihm gegeben werden: umsichtiger Herrscher, mächtiger Held, ewiger Vater, Friedensfürst.
Seine Macht wird weit reichen und dauerhafter Frieden wird einkehren.

Advent.
Arrival.
Ankunft.
Har dara.
Ka batu.


Aber bei wem?
Bei Freunden?
Bei Fremden?
Bei uns?

Alleine
wir fühlen
Einsamkeit, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit
in der deutschen Gesellschaft
Menschlichkeit!

Warum
die Flucht
Angst, Verfolgung, Folter
ihr nehmt uns auf
Hoffnung

Der Engel Gottes erschien Josef im Traum und sprach:
Steh auf,
nimm das Kind und seine Mutter
und flieh nach Ägypten.
Bleibe dort, bis ich es dir sage.
König Herodes hat vor, das Kind umzubringen.


Advent.
Arrival.
Ankunft.
Har dara.
Ka batu.

Aber wozu?
Alles umsonst?
Abschiebung unvermeidbar?

Entscheidung
kein Grund
alles war umsonst
Gambia ist sicheres Land
Fragen?

                  Als Herodes gestorben war                                    
                  erschien der Engel Josef im Traum.
           
                  
Er sprach: Nimm das Kind            
                 
und seine Mutter und kehre zurück.            
                  
Er aber fürchtete sich.            
                 
Weil der Sohn von Herodes König war.                        

Advent.
Arrival.
Ankunft.
Har dara.
Ka batu.

Aber wann?
Gestern?
Heute?
Morgen?

Advent
Wir warten
auf die Ankunft
ankommen im fremden Land
Zuhause?

Die Füchse haben ihren Bau
und die Vögel ihr Nest;
aber Jesus hat keinen Platz,
wo er sich hinlegen und ausruhen kann.

Advent.
Arrival.
Ankunft.
Har dara.
Ka batu.


Danke
bei euch
sind wir glücklich
die Gastfreundschaft der Menschen
Frickenhausen









Donnerstag, 15. Dezember 2016

Ich steh an deiner Krippen hier...

Familiengottesdienst
mit Krippenspiel der Kinderkirche am 18. 12. 2016
in der Eusebiuskirche Wendlingen am Neckar



Ein Stall.
Darin eine Holzkiste.
So ähnlich wie die
aus’m Baumarkt.
Aber alt.
An den Rändern angeknabbert und abgenagt.
Mit Heu und Stroh drin.
Und Baby.
Es riecht nach Pferd.

Oder Kuh.
Vielleicht ist es auch Windel.
Von den Balken hängen Spinnweben.
Wenn man zu groß ist kleben sie im Haar.
Und glitzern ein bisschen,
als wärs vom Engel.

Der ist im übrigen auch da.
So wie die anderen.
Die Suchenden und Findenden.
Könige, Rabbi, Soldaten, Hannah und Hirten.
Menschen.
Du und ich.
Wir stehen an der Krippe.
Spinnweben glitzern im Engelshaar.
Wir erzählen uns
Geschichten.
Unsere eigenen
Geschichten.
Von Freude und Schmerz.

Wir hören einander zu.
Und teilen,
was wir gehört und gesehen haben.
Teilen Frieden auf Erden.
Der Engel hat ihn verkündet.

Und das Kind hört zu
wie wir unsere Sorgen sagen.
Stotternd und stammelnd.
Und unsere Wünsche,
sagen wir auch.
Denn wünschen darf man
mit leuchtenden Augen,
als wäre es Weihnachten:

Einen Freund oder zwei gegen die Einsamkeit.
Brot und Wurst, weil man Hunger hat.
Engelshaar, damit man hübsch ist und
etwas gegen Halsschmerzen.

Einen Engel
für Meria in Aleppo und einen
für Abdul in Wendlingen.
Das wär doch was.

Einen Gefährten
für Christina, sie ist einsam.
Und Lilly, die hat Angst.
Vor dem einen Typen ganz speziell
und vor allen anderen auch.
Die soll weg, die Angst.
Der Engel mit den Glitzerhaaren
darf aber bleiben.

Angelika schafft ihren Job nicht mehr.
Und Markus macht sich Sorgen
weil die Tochter
sich zu Hause nicht mehr blicken lässt.

Alle sind da.
Teilen Freude
und Schmerz.
Und Wünsche.
Brot und Wurst
und Schnaps auch.
Teilen gute Worte und
böse Briefe.
Teilen Kaffee, Musik
und die Angst vor dem Morgen.
Und wir teilen Worte des Lebens.
Auch Worte zum Sterben
und das Licht.

Wir stehen an der Krippe.
Der Engel zwischen uns
und die Spinne seilt sich vom Balken ab.

Ich bin auch da.

Teile und Wünsche.
Das Kind lächelt.
Für einen Moment
ist Frieden
auf Erden.
Amen.



Mittwoch, 7. Dezember 2016

Eiszeit



Wenn
Frost und Eis
Stille und Dunkelheit
sich auf die Welt
und
auf die Seele
legen
dann sei gewiss:
es tagt
Noch ehe
Dunkelheit vergeht
und
Eis schmilzt
flüstert
das Licht
vom Frieden
Und siehe
es wärmt